Michael Dreusicke: Mein Herz schlägt für digitale Bücher mit echten Mehrwerten

Michael Dreusicke
Michael Dreusicke

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Wer ich bin: Ich liebe Musik (Schlagzeug, Klavier, Jazz, Klassik), Sport (Squash, Mountainbike, Snowboard, Windsurfen, Jogging, Fitness), Psychologie (Lernpsychologie und systemische Familientherapie) und Literatur. Nach einem Musik-Studium (Schlagzeug/Klavier) wurde ich Gesellschafter in einem Ton-Studio. Das hat nicht so recht gepasst und führte mich zu einem Jurastudium, in dessen Verlauf ich parallel eine Snowboardlehrer- und private Psychotherapieausbildung absolvierte.

Seit ich 14 Jahre alt war, haben mich Bücher über Religion, Psychologie und Philosophie und insofern eher Sach- und Fachbücher interessiert. Aus eigener leidvoller Erfahrung habe ich aber gelernt, dass man einem Lernerfolg mit dem bloßen Erwerb eines Buchs noch um keinen Deut näher ist. Erst die erfolgreiche Lektüre bringt das gewünschte Resultat. Und genau hier ließ mich das Buch immer wieder im Stich, indem mir viele zum Verständnis relevante Informationen fehlten und der eigentliche Wissenstransfer (genauer: -erwerb) nicht unterstützt wurde. Ich musste mehrere Werke parallel lesen, mir die wichtigsten Merkpunkte selbst herausschreiben und zum besseren Erinnern als Karteikarten notieren. So wertvoll diese Art des Arbeitens auch sein mag: Ich habe unterm Strich sehr viel Zeit mit langen und zum Teil ergebnislosen Suchen verloren, die ich mit geeigneten Unterlagen für das eigentliche Lernen wesentlich besser hätte einsetzen können. Auf der Suche nach einem System, mit dem ich im wissenschaftlichen Bereich effizient lernen konnte, fand ich nichts, was meine Erwartungen erfüllte und beschloss daher im Rahmen meines Jurastudiums, für den Eigenbedarf etwas selbst zu entwickeln.

Dass die Informationen, die ich zum Verständnis brauchte, nicht in den Büchern enthalten waren, hatte den einfachen Grund darin, dass die Autoren von den Verlagen klare Rahmenbedingungen bzgl. des Umfangs zu beachten hatten (“Papier kostet Geld”), also von vornherein nur einen Bruchteil ihres Wissens niederschrieben. Und selbst die Autoren, die online veröffentlichten, die also an Worten nicht zu sparen brauchten, hatten offensichtlich eine Zielgruppe im Blick, die über ein ganz bestimmtes Maß an Vorwissen verfügte (in der Regel mehr als ich). Aber was sollten sie auch tun? Ab einer bestimmten Menge an Verweisen wird ein Text schwer lesbar. Das brachte mich zu der Erkenntnis, dass Texte nicht am Stück sequentiell, sondern aus kleinen Informationsobjekten (einzelnen Sätzen) zusammengesetzt sein sollten, die Nutzergruppen zugeordnet werden können. So ließen sich genau diejenigen Informationen anzeigen, die der Leser mit seinem Vorwissen auch verstehen und verwerten kann.

Doch selbst wenn dieses Prinzip umgesetzt wäre, ich also nur die für mein Vorwissen passenden Informationen (Sätze) angezeigt bekäme, wären noch erklärungsbedürftige Begriffe im Text enthalten. Sei es, dass ich Definitionen noch nicht sicher beherrschte, oder sei es, dass der Autor mit einem Begriff eine bestimmte Bedeutung verband. In jedem Fall waren also noch Erklärungen zu den Begriffen (Disambiguierung auf Wortebene) erforderlich. Und um die Validität einzelner Aussagen überprüfen zu können, wünschte ich mir zu jedem Satz Referenzen (Literaturnachweise zu anerkannten Werken). Einzelne Textstellen sollten von Lesern kommentiert und diskutiert werden können. Das auf diese Weise erworbene Verständnis wollte ich in nachfolgenden Frage-Antwort-Runden dauerhaft verfestigen, was die Anforderung an ein Karteikartensystem sowie für anspruchsvollerere Fragestellungen auch Multiple-Choice und Lückentext hervorbrachte.

Aus alledem ist in einem 10-jährigen Projekt PAUX entstanden, ein Content Management System, das sich insbesondere an Verlage richtet. Damit können Verlage Bücher zu Online-Produkten weiterentwickeln und ihren Nutzern so anbieten, wie ich es damals gerne gehabt hätte 🙂

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Erst die digitalen Medien und das Internet ermöglichen die Art von Arbeit mit Text, die ich mir schon immer gewünscht habe: Gemeinsam mit anderen an Texten zu arbeiten, dabei schnell und effektiv zu kommunizieren und dadurch dem Spaß am Lernen den Raum zu geben, sich frei zu entfalten.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Nach meiner Wahrnehmung stehen wir am Beginn einer Medienrevolution: Die Produktions-, Distribitions-, Verwertungs- und Rezeptionsworkflows haben sich fundamental gewandelt. Aufgrund aktueller Software- (Facebook, Twitter, PAUX) und Hardwareentwicklungen (iPhone, iPad) haben wir erstmals die Möglichkeit, Lernen und geistiges Wachstum gehirngerecht und vergnüglich flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Das bringt neben jeder Menge Euphorie auch große Verantwortung mit sich und für manche Verlage und Buchhandlungen eben auch prinzipielles Umdenken. Und weil das nicht alle Verlage genauso sehen, habe ich jede Menge Klärungsbedarf 🙂

Wo finden wir Sie im Internet?

http://www.paux.de
http://www.jurastudium.de
https://www.xing.com/profile/Michael_Dreusicke
http://www.facebook.com/dreusicke
http://www.facebook.com/paux.de
http://twitter.com/Dreusicke

Bildquelle: Michael Dreusicke
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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