Matthias Brömmelhaus: Schwerpunkt meiner Arbeit ist heute das Schreiben und Produzieren von Privatbiografien

Matthias Brömmelhaus
Matthias Brömmelhaus

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Matthias Brömmelhaus und ich mache schon seit Jahrzehnten etwas mit Büchern. Angefangen hat alles während meines Studiums Ende der siebziger / Anfang der achtziger Jahre. Damals kam gerade die „oral history“ auf, man begann, auch mündliche Überlieferung ernst zu nehmen. Damit entstanden völlig neue Zugänge für die zumindest in Deutschland noch junge Alltags- und Sozialgeschichte.

Das damals erworbene Wissen konnte ich bei meiner ersten Veröffentlichung einsetzen. Zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht erschien 1988 mein Buch „Nach unbekannt verzogen“, in dem ich die Geschichte der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bürger meiner Heimatstadt schildere. Nach dem Studium machte ich mich als Autor und Biograf selbstständig und es entstanden bereits Ende der achtziger Jahre die ersten Auftragsbiografien und Firmengeschichten. Weil damals die Nachfrage nach dieser Dienstleistung nicht sehr groß war, wendete ich mich zunächst dem Kulturmanagement und dann dem Tourismus zu. Nach spannenden Jahren in diesen Bereichen kehrte ich 2003 wieder zu meinen Wurzeln zurück und eröffnete den Autobiografieservice in Konstanz am Bodensee. Wahrscheinlich bin ich damit einer der erfahrensten persönlichen Biografen in Deutschland. Mir gefällt übrigens in diesem Zusammenhang der englische Begriff „personal historian“ sehr gut, dessen deutsche Übersetzung leider allzu gestelzt klingt.

Schwerpunkt meiner Arbeit ist heute das Schreiben und Produzieren von Privatbiografien. Daneben arbeite ich als Ghostwriter und Werbetexter, schreibe Reisereportagen und versuche mich an einem Kriminalroman.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Sie haben alles erheblich erleichtert und manches überhaupt erst möglich gemacht. Heute bekomme ich 90 Prozent meiner Aufträge aufgrund meiner Onlinepräsenz. Andere Kommunikationskanäle kann ich mir als einzelkämpfender Freiberufler auch kaum leisten. Mein Angebot „Biografielotse“, das jedermann das Aufschreiben der eigenen Lebensgeschichte erleichtern soll, ist sogar ein reines Internetangebot.

Im Übrigen wüsste ich nicht, wie ich meine Arbeit ohne digitale Medien bewältigen sollte. Das beginnt bei der Recherche und endet bei der Zusammenarbeit mit meiner Grafikerin und der Druckerei. Über die sozialen Medien ist darüber hinaus so mancher Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen entstanden, die ich auf andere Weise wohl nie kennen gelernt hätte.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bei Privatbiografien: Das Prozessuale der biografischen Arbeit mit dem Auftraggeber – sprich dem Erzähler – nicht zu vernachlässigen und trotzdem das Projekt zum Abschluss zu bringen. Konkret: Die meisten Erzähler genießen die Arbeit mit ihrem „personal historian“. Ich höre ihnen zu und interessiere mich tatsächlich für ihre Geschichte. So entsteht ein oftmals langer Prozess, an dessen Ende aber trotzdem immer ein fertiges Buch stehen sollte. Hier einen guten Mittelweg zu finden ist oft nicht leicht.

Bei allen anderen Schreibarbeiten habe ich die gleichen Probleme, die schon viele Andere hier geäußert haben: Zeitmanagement, Selbstdisziplin und die Mühsal, jemanden (z. B. einen Verlag) für das Ergebnis des Schreibprozesses zu interessieren.

Wo finden wir Sie im Internet?

Die Homepage meines Autobiografieservice: http://www.autobiografieservice.de/
Die Homepage meines Onlineangebotes: http://www.biografielotse.de/
Mein Blog: http://www.schreibtaeter.eu/

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Bildquelle: Yvonne Lüscher

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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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