Markus Albers: Wir müssen für die neuen Tablets – wie das iPad – neue Formen des Storytelling finden

Markus Albers
Markus Albers

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Markus Albers, Journalist und Autor von Sachbüchern. Ich lebe in Berlin, schreibe hier regelmäßig für die Zeitschriften Brand Eins und Monocle (für die ich Korrespondent bin). Ich habe die Bücher “Morgen komm ich später rein” und “Meconomy” veröffentlicht. Und ich entwickele neue Medienformate für Agenturen und Verlage, zuletzt das iPad-Magazin “The Iconist”.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Einerseits: Gar nicht, weil mein Berufsstart Anfang der 90er Jahre mit dem Einzug digitalen Publishings in den Journalistenberuf zusammenfiel – meine ersten Lokalzeitungsseiten habe ich in ‚Pagemaker’ selbst layoutet – kennt das noch jemand? Meinen ersten Redakteursjob nach dem Studium hatte ich – mitten im New-Economy-Irrsinn – bei der Zeitschrift Tomorrow, die damals das deutsche Wired sein wollte. Insofern gehörte moderne Technologie immer zu den Werkzeugen und zugleich Themen meiner Arbeit und als ich 2008 mein erstes Buch geschrieben habe, war ich überrascht, wie low-tech Buchverlage in Deutschland sind.

Andererseits verändern Internet und digitale Medien meine Arbeit natürlich ständig. Ich bin fest davon überzeugt, dass Journalisten und vielleicht auch Buchautoren für die neuen Tablets – wie das iPad – neue Formen des Storytelling finden müssen. Und ich freue mich, daran mitarbeiten zu können.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit persönlicher Produktivität beschäftigt, arbeite darum nun mit Programmen wie Things zur Aufgabenverwaltung, nutze einen Feedreader statt Webseiten abzusurfen, lege Arbeitsmaterial in Evernote ab und Artikel, die ich später lesen möchte, in Instapaper. Ich halte meinen E-Mail-Eingangsordner stets komplett leer (Inbox Zero) und versuche, E-Mails nur alle paar Stunden en bloc zu lesen und bearbeiten. Twitter nutze ich nicht zur Ablenkung, sondern im Gegenteil als Informationsfilter. Insofern habe ich viele meiner Arbeitsprobleme von vor etwa zwei Jahren (Informationsflut, Desorganisation, Vergesslichkeit, Stress) inzwischen ganz gut im Griff.

Was ich mir noch wünsche, ist eine technische Lösung, die das räumlich und zeitlich entzerrte kollaborative Arbeiten intuitiver und komfortabler macht. Es gibt da schon manche Software, aber noch überzeugt mich nichts so richtig. Und diese Art der Arbeit wird in Zukunft sehr schnell immer wichtiger werden.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner persönlichen Website www.markusalbers.com, auf den Buchwebsites www.morgenkommichspaeterrein.de und www.meconomy.me sowie auf Twitter unter www.twitter.com/albersmark

Bildquelle: Martin Mai
________________________________________________

Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

2 comments

  1. Helmut Barz
    Helmut Barz says:

    Ich war von diesem Artikel etwas enttäuscht, denn die Überschrift ist irreführend. Letztlich dreht sich gerade mal ein Absatz um dieses Thema. Und mehr als “Ja, wir müssen wirklich neue Formen des Storytelling finden”, steht da auch nicht drin. Sehr viel ergiebiger war für mich der Absatz über Produktivität.

    Dennoch ist die Frage “Storytelling für das iPad” eine spannende: Non-Linearität, Verlinkung, Querverbindungen zu anderen Texten, Interaktivität, Einbezihung des Lesers in den Handlungsfluss … alles wichtige Themen, die auch schon in den bestehenden interaktiven Medien (Websites, Games) diskutiert werden, zum Teil mit spannenden Resultaten, leider oft jedoch verpuffend, weil zwar das Konzept stimmt, aber der Content nicht. Oder umgedreht.

    Jetzt, da auch die letzte Bastion des Analogen, das Lesen von Literatur, in die digitale Welt übertritt, wäre es spannend, zu schauen, wie sich etwa die Ansätze von Aleatorik und Non-Linearität aus der experimentellen Literatur umsetzen lassen – und wie sie die Lesegewohnheiten beeinflussen. Und umgedreht, welche traditionellen literarischen Texte Bestand haben: Ist beispielsweise der Roman iPad-geeignet, oder kommt auch hier der Trend zum Episodischen – wie in der Musik: Man hört auf seinem MP3-Player einzelne Songs, nur selten ganze Alben – das PÖrinzip des Albums istdamit ganz in Frage gestellt.

    Themen über Themen – aber vielleicht findet sich hier ja ein Forum zusammen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.