Klarissa Klein: Ein guter Lektor muss vor allem zwei Dinge haben – Menschenkenntnis und Wortgefühl

Klarissa Klein
Klarissa Klein

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Klarissa Klein, 43 Jahre und komme aus dem Sauerland. Nachdem ich mich jahrelang mit der Rechtschreibung „anderer rumgeschlagen“ habe und in dem Bereich mehr als nur Fähigkeiten entwickeln konnte, habe ich mich vor knapp einem Jahr als Lektorin/Korrektorin selbstständig gemacht. Mir hat ein Mal jemand gesagt, und der musste es wissen (der gute Mann war im Gegensatz zu mir vom Fach), dass ein guter Lektor vor allem zwei Dinge haben muss: Menschenkenntnis und Wortgefühl. Beides, so denke ich, habe ich mir in zwanzig Jahren als „Interceptor“ angeeignet. Zu spüren, was ein Autor sagen will, auf seiner Wellenlänge zu liegen, ist in meinem Beruf mehr als wichtig.

Als „Auftragsschreiberin“ habe ich im letzten Jahr meinen ersten Roman im Bereich der Erotik veröffentlicht und zu meiner Freude, wurde dieser sehr erfolgreich. Außerdem korrigiere ich, just for fun, Warenhauskataloge. Eine Arbeit, die es mir ermöglicht, meine Konzentration zu trainieren und somit meinen Kunden noch besser zur Seite stehen zu können.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Es ist einfacher zu recherchieren und Begriffe nachzuschlagen. In meiner Anfangszeit, in welcher ich in Nachbarschaftshilfe Texte korrigiert habe, standen bis zu zwanzig Bücher auf meinem Schreibtisch. Äußerst platzraubend. Natürlich schätze ich Bücher. Ich liebe es, in alten „Schätzcken“ zu lesen und zu lernen. Wenn ich aber auf der Suche nach bestimmten Begriffen, oder Schreibweisen bin, ist das Internet einfach schneller und ich werde nicht länger als unbedingt nötig in meiner Konzentration durch Suchen gestört.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Keiner hat das Schreiben neu erfunden. Auch wenn es arrogant klingen mag und dies ausgerechnet von einer kommt, die vom Schreiben anderer lebt: Es sollte in das Bewusstsein der Autoren vor allem das Wissen zurückgerückt werden, dass wir Lektoren niemandem etwas wollen und dass unsere Arbeit das Geld wert ist, das wir berechnen. Etwas weniger Beratungsresistenz und ein wenig mehr Einsicht würde mir die Arbeit bestimmt erleichtern. Da dies aber eher ein menschliches, psychologisches Problem ist, wird mein Wunsch wohl ein Wunsch bleiben.

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Homepage befindet sich im Moment im Umbruch, deshalb fehlt der Hinweis auf die Aktion „Ich mach was mit Büchern“. Trotzdem bin ich doch präsent.
http://www.klein-lektorat.de

Bildquelle: Klarissa Klein
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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