Fred Uhde: Das größte Problem von Verlagen mit Printprodukten ist mangelndes Qualitätsbewusstsein

Fred Uhde

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Meine Eltern gaben mir den Namen Fred – dies hat zwar nix mit meiner Arbeit zu tun, aber eine Vorstellung beginnt ja immer mit dem Namen. Nach einigen Jahren Studium der Philosophie und Geschichte kam ich dazu, mein Diplom als Verlagshersteller zu erlangen. Ich habe sozusagen erst mit den Inhalten der Bücher gearbeitet und mich dann damit beschäftigt, wie diese hergestellt werden.

Derzeit arbeite ich als Schriftsetzer auf einer teilselbstständigen Basis für kleinere Verlage (z.B. Voland & Quist) und erstelle Illustrationen für Werbemittel für Vereine (z.B. Zeichnungen von Tieren für den FV UiZ Leipzig e.V.). Ein paar Lektoratsaufgaben, u.a. Doktorarbeiten und Romane, konnte ich in den letzten Monaten ebenfalls umsetzen.

Immer offen für interessante Projekte durchstreife ich die verlegerischen Ruinen der ehemaligen Buchstadt Leipzig…

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

So gut wie gar nicht, da ich davon ausgehe, dass ein gutes Printprodukt mit etwas Arbeit auch zu einem guten digitalen Produkt umgewandelt werden kann. Der andere Weg ist natürlich auch interessant, wobei ich das gedruckte Produkt immer dem Bildschirm vorziehen würde – wenn die Wahl besteht.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

In meinen Augen stellt das größte Problem von Verlagen und Unternehmen mit Printprodukten (natürlich auch alle digitalen Produkte, doch auf die ist mein Fokus nicht so sehr gerichtet) das stellenweise mangelnde Qualitätsbewusstsein dar. Ganz abgesehen von den Materialien, die verwendet werden – das ist meist eine Sache von Angebot und Finanzierung – wendet sich diese Kritik an den Satz von Büchern. Natürlich können Fehler auftreten, richtig perfekt ist ein Buch selten, doch darum geht es mir nicht. Die Anzahl der Bücher, in denen in der Makro- und Mikrotypografie einige Grundlagen einfach übersehen werden, steigt nach meiner Erfahrung in den letzten Jahren an. Eine Erklärung, die ich für mich gefunden habe und auch von Kollegen bestätigt bekomme, ist die Verwendung von automatisiertem Satz. Diese Neuerung (OK, sie ist nicht mehr sooo neu) stellt für die Verlage eine Kostenersparnis dar (ein Setzer kostet ein wenig Geld und braucht vielleicht etwas länger, aber das Ergebnis ist es wert), die natürlich angenommen wird, doch wie gesagt, wenn keiner mehr sich damit beschäftigt, haben wir bald nur noch Bücher in einem grauenvollen Satz und uns schmerzen die Augen beim Lesen und das liegt dann nicht am Inhalt!

Natürlich gibt es auch noch andere Gründe, doch das würde jetzt zu weit gehen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Derzeit nur auf Xing.com, doch eine Homepage ist derzeit in Arbeit…

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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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