Tanja Erdmann: Ich habe einen bodenständigen Traum – eine eigene Buchhandlung

Tanja Erdmann: Ich habe einen bodenständigen Traum – eine eigene BuchhandlungWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin engagierte Jung-Buchändlerin und hartnäckige Nachwuchs-Autorin. Ich verkaufe Bücher, versuche eins zu schreiben und vor allem atme ich Bücher ein.

Bücher sind sicherlich ein netter Zeitvertreib, doch erst wenn man wirklich ‚das’ Buch gefunden hat, macht es Klick und es lässt einen nie wieder los. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, meinen Kunden die richtigen Bücher mitzugeben – kleine Schätze, die ihnen ein Tor in eine ganz eigene Welt öffnen und sie aus dem Alltag entführen.

Es ist kein Job für mich, eher Berufung. Vielleicht klingt es kitschig, doch nichts geht über glänzende Kinderaugen oder das Gefühl einem Menschen ein bisschen Fantasie geschenkt zu haben. Leider wird oft schlecht von meiner Generation bzw. den Jugendlichen geredet. Ich bin das Gegenteil. Ich habe einen bodenständigen Traum – eine eigene Buchhandlung (und natürlich mein Buch zu veröffentlichen). Diesen Traum versuche ich jeden Tag zu leben, indem ich eine Buchhändlerin bin, von der man sich gerne beraten lässt.

Ich, kleiner Bücherwurm, verschlinge Bücher geradezu und mit meiner Leidenschaft und Hingabe für den Beruf möchte ich Menschen eine Freude bereiten, ja, sie verzaubern, vielleicht nicht mit Magie, aber ich denke, dass die Bücher mein Zauberstab sind.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Das Internet diente mir beruflich bisher rein als Informationsquelle. Privat kann ich so mit meinen in ganz Deutschland verteilten Freunden in Kontakt bleiben, da ich einige Messenger nutze. Für mein Buch ist es eine große Hilfe bei der Recherche.
Doch seit neuestem twittere ich fleißig meinen Buchhändleralltag, Buchtrends und Informationen rund um den Buchhandel.

Das positive Feedback bestärkt mich, auf dem richtigen Weg zu sein und der kleinen unabhängigen Buchhandlung, in der ich arbeite, einen frischen Wind zu verpassen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Eins? Okay, ich beschränke mich mal auf zwei Dinge:

1. Wie schon erwähnt, arbeite ich in einer kleinen Buchhandlung. Unser größtes Problem ist es, sich nicht von den Ketten verdrängen zu lassen. Ich versuche dem entgegen zu wirken, indem ich eine persönliche Basis zu meinen Kunden schaffe und individuell berate. Mir ist es wichtig, meine Kunden zu kennen, zu wissen, was sie gelesen haben und das Sortiment genau auf sie abzustimmen. Kundenservice hat bei mir eben einen hohen Stellenwert.

Das 2. Problem ist etwas ganz Persönliches: Vorurteile. Wahrscheinlich hat jeder damit mal zu kämpfen gehabt, doch ich jeden Tag. Denn ich bin noch jung und habe eben noch nicht die Erfahrung, die meine Kollegen und meine Chefs vorweisen können. Ich versuche, das mit meinem freundlichen Auftreten, meinem Fachwissen und meiner Kompetenz wett zu machen.

Doch Vertrauen muss ich mir immer erst verdienen. Geschenkt wird einem nichts, wenn man ‚noch grün hinter den Ohren’ ist. Ich muss erst eine herausragende Leistung erbringen, um ernst genommen zu werden. Dass mein Abschlusszeugnis der Berufsschule einen Schnitt von 1,1 hat, sieht man nun mal nicht.

Der Kampf gegen die großen Ketten, um die Aufmerksamkeit und den Respekt geht weiter …

Wo finden wir Sie im Internet?

Homepage: www.Tanja-Erdmann.de
Buchhandlung Niehörster: www.niehoerster.de
Twitter: @Niehoerster

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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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