Matthias Töpfer: Die optische Erscheinung des Buches entscheidet, ob man sich mit seinem Inhalt befasst

Matthias Töpfer: Die optische Erscheinung des Buches entscheidet, ob man sich mit seinem Inhalt befasstWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Matthias Töpfer. Ich gestalte Buchumschläge.
Es begann mit einem EDV-Verlag, den ich als Kunden gewinnen und offensichtlich zufrieden stellen konnte. Dieser Verlag wurde später von einem international aufgestellten Verlag aufgekauft. Trotzdem hielt mir die übernommene Lektorenschaft so lange die Treue, bis mich ein amerikanischer Rotstift aussonderte. Es folgten weitere EDV-Verlage als Kunden und weitere erfolgreiche EDV-Buch-Umschläge. Trotzdem wieder – der Rotstift. Seitdem arbeite ich für kleinere Verlage, die meinen individuellen Service offenbar zu schätzen wissen.

Ausgelastet bin ich damit aber nicht. Es fehlt mir nicht an Kreativität, Professionalität, Ideen oder Erfahrung. Es fehlt mir schlicht an Kunden mit interessanten und anspruchsvollen Buchprojekten.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Das Internet beeinflusst die Wahrnehmung, den Gebrauch und die Vermarktung von Büchern. Meine Arbeit am Buch verändert sie kaum. Als ich in den 90ern meinen ersten Buchumschlag gestaltete und produzierte, tat ich das bereits digital, damals noch mit Pagemaker und Photoshop.

Aber: die aktuellen digitalen Medien wirken sich sehr positiv auf die Möglichkeiten der Zusammenarbeit unter Teammitgliedern aus. Heute kann ich als Freiberufler ortsunabhängig und ohne Verzögerung durch anfallende Transporte – von meinem Atelier aus, zum Beispiel per Skype, Teamviewer oder Wave – mit Verlegern und Lektoren so effektiv und direkt zusammenarbeiten, als gäbe es keine räumlichen Distanzen. 

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Da gibt es mehr als ein Problem.

Welche Bedeutung hat der Umschlag?
Korrespondiert die Umschlaggestaltung noch mit dem Inhalt der Bücher? Wie viele Verlage verzichten aus Kostengründen auf diesen Luxus?
Der Buchmarkt ist seit Jahrzehnten unter Druck. Es muss gespart werden, wo es nur geht. Aber: aus Sicht des Werbers und Designers ist, neben der Arbeit der Autoren selbstverständlich, das Design des Buchumschlags die Stelle, an der Sparen den wenigsten Sinn macht.

Muss denn das Buch nicht verkauft werden? Auch wenn das eine Binsenweisheit ist, solange der Inhalt des Buches nicht blind über eine Datenbank aufgefunden wird, entscheidet doch die optische Erscheinung des Buches, innen – aber ganz besonders auch aussen, wesentlich darüber, ob der Interessent bereit ist, sich erst mal mit dem Inhalt des einen Buches zu befassen, bevor er zu einem anderen greift. Auch online bei Amazon.

Dabei ist es unerheblich, ob das zu verkaufende Buch dick oder dünn ist, ob es ein Sachbuch ist, oder Belletristik, ob es 6 oder 160 Euro kostet. Das optisch ansprechendere hat garantiert den Bonus, zuerst in Betracht gezogen zu werden.
Der Verleger entscheidet über den Erfolg seines Buches in dieser ersten Disziplin bereits mit der Gewichtung seiner Kalkulation und der Wahl des Designers. Wieviel Prozent vom Gesamtbudget einer Buchproduktion sollte demnach in die Gestaltung eines Buches investiert werden? Und – wie sieht die Praxis aus?

Was erwartet man von einem Buchumschlag-Designer?

Gute Buchgestaltung wird angefordert und letztendlich auch bezahlt. Aber wird diese Investition auch effektiv genutzt?

Der Verleger engagiert einen qualifizierten Kreativen, um den Buchumschlag professionell gestalten zu lassen. Hat er vor, sich von den vom Designer entwickelten, Ideen und Vorschlägen überraschen zu lassen und auch anzunehmen? Oder erwartet er in Wirklichkeit nicht mehr und nicht weniger, als dass seine eigene, ganz persönliche, Vorstellung vom angestrebten Design getroffen und umgesetzt wird. Ist man sich als Auftraggeber über diesen elementaren Unterschied im Klaren?

Wenn nicht, führt das zu Reibungsverlusten. Es gibt keine schlechten Aufgaben, es gibt nur schlechte Lösungen. Wenn der Designer eigene Ideen unterbreitet, der Auftraggeber aber – aus seiner Sicht ganz selbstverständlich – die Umsetzung seiner eigenen Vorstellungen erwartet, wird das Ergebnis für beide Seiten unbefriedigend ausfallen. Aus Sicht des Profis gehört beides zum Job. Aber: das zu erreichende Ziel sollte bereits bei der Formulierung des Briefings geklärt sein.

Die Vorstellungen eines anderen Menschen zu visualisieren ist keine triviale Angelegenheit. Es erfordert die aktive Mitwirkung dieses Menschen. Er muss seine Vorstellung beschreiben, idealerweise ergänzt von unterstützendem Material, z.B. mit Mustern von ähnlichen Lösungen aus dem Buchbereich.

Nur wenn der Auftraggeber, ganz unvoreingenommen, die Vorschläge des Designers erwartet, eben weil er dessen Kompetenz akzeptiert, wird er auch in unerwarteten Lösungen die darin enthaltenen Qualitäten und Chancen entdecken können. Das zu erkennen bedeutet, aus kreativer Gestaltungsarbeit den größten Nutzen zu ziehen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Eine Website hatte ich schon viele Jahre, dieses Jahr habe ich damit begonnen zu bloggen. Unter www.bilderdaemmerung.de zeige ich umfangreiche Portfolios mit Arbeitsproben aus abgeschlossenen Auftragsarbeiten, sowie freien Arbeiten oder Stockmaterial, das ich auf verschiedenen Plattformen anbiete.

Den Schwerpunkt bilden dabei meine Arbeiten als Illustrator. Manche meiner Arbeiten kommentiere ich auf meinem Blog, indem ich manche Details und Überlegungen beschreibe, die zum präsentierten Ergebnis geführt haben. Auch Beispiele aus meiner Arbeit als Buchdesigner gibt es dort zu sehen. http://bit.ly/Buchgestaltung

Neben meiner Fanpage hier bei Facebook, Bilderdämmerung, finden sie alle meine weiteren Webadressen auf meinem Blog unter diesem Link. http://blog.bilderdaemmerung.de/?page_id=171

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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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