André Hille: Bei mir gilt die Strategie: Virtuelles Marketing für reale Zusammenkünfte

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin André Hille, Gründer und Inhaber der Textmanufaktur, einer Autorenschule in Leipzig, die es seit Anfang des Jahres 2009 gibt. Ich habe also zunächst nur mittelbar mit Büchern zu tun, da ich jene ausbilde, die einmal Bücher schreiben und veröffentlichen werden. Ab März 2010 gehe ich jedoch unter die Verleger und bringe selbst Bücher heraus: die „Handbücher für Autoren“, die auf neuartige Weise Lehr- und Notizbuch miteinander verbinden. Ich setze hier auf der einen Seite auf die haptische Qualität des Buches und den Mehrwert durch die Notizbuchfunktion. Das heißt, wer sich für ein gebundenes Buch entscheidet, tut dies bewusst aufgrund der Vorteile, die es bietet. Zum anderen werden die Bücher aber auch als PDF zum Download auf der Homepage zur Verfügung stehen, für diejenigen, die die Texte in elektronischer Form auf ihrem E-Reader oder Smartphone lesen wollen. Natürlich ist das ein Experiment, aber als kleiner Verlag muss man offensiv nach vorne gehen, andere Möglichkeiten hat man angesichts der Vertriebs- und Marketingübermacht der Großen nicht.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Ich arbeite sehr aktiv mit dem Internet und neuen Medien. Ohne das Internet wäre die Textmanufaktur nicht so schnell so bekannt geworden. Bei mir gilt die Strategie: Virtuelles Marketing für reale Zusammenkünfte. Denn die wirkliche Textarbeit in Gruppen lässt sich durch nichts Virtuelles ersetzen. Das intensive Gespräch, das Feedback, die Körperhaltung, die Emotionen – all das kann nur in der physischen Begegnung zwischen Autoren entstehen. Aber die Akquise und Distribution ist ohne das Internet nicht denkbar. So führt das Internet zu einer Auflösung der alten Institutionen und einer Demokratisierung im Sinne von: Einzelne haben plötzlich eine Stimme und ähnliche Möglichkeiten wie Konzerne. Sie können sich selbst eine Community aufbauen. Was hier zählt, sind Leidenschaft und Authentizität.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Dass ich bei Facebook nicht Retweeten kann und bei Twitter nicht „Gefällt mir“ klicken. Nein, im Ernst, ich baue gerade einen Web-Shop auf und merke wieder einmal, wie spannend aber auch anstrengend es ist, wenn man alles selbst macht. Spezialisierung kann auch ein Fluch sein, aber manchmal wünsche ich mir doch mehr Mittel, um bestimmte Bereiche abgeben zu können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.text-manufaktur.de

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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

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