Shai Hoffmann: Auf einer erfolgreichen Veranstaltung entsteht und wächst #CrowdLove

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer “Menschenvernetzer”-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Shai Hoffmann (c) Kristoffer Schwetje

Ich bin Shai Hoffmann und bin als Social Entrepreneur, Aktivist, Speaker und Moderator in Berlin sesshaft und in ganz Deutschland tätig. Meine Tätigkeit ist also sehr vielfältig, aber was mich dazu antreibt, ist mein Bedürfnis ein friedvolles und generationenübergreifendes Miteinander zu fördern. Und das geht am besten, indem man Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenbringt. Doch das ist oft gar nicht so leicht, wie es aussieht. In unseren “Filterblasen” befinden sich meist nur Menschen, die unsere eigenen Ansichten teilen.

Deshalb ist es mir wichtig, gelegentlich bewusst aus meiner eigenen Filterblase zu treten. Das passiert für mich a) auf verschiedenen Veranstaltungen, auf denen ich teilweise als Speaker eingeladen bin, um meine Erfahrungen und Ansichten zu teilen oder andere inspirierende Menschen als Moderator dazu befragen darf – oder b) durch eigens initiierte Projekte, wie dem “Bus der Begegnungen”, “Integrations-Bus” oder “DemokratieBus”, der erst kürzlich u.a. zur Landtagswahl 2018 durch Bayern gefahren ist. Zusammen mit einem Team fahre ich in einem gemütlich eingerichteten Doppeldeckerbus der Linie94 durch Deutschland, um auf Marktplätzen anzuhalten und Menschen auf ein Gespräch einzuladen. Von den Reisen entstehen hochwertige Videotagebücher, sodass ich möglichst viele Menschen durch die sozialen Medien auf diese spannende Reise – und die vielen Begegnungen – mitnehmen kann.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Gemeinschaft bedeutet für mich, dass wir als eine vielfältige Gesellschaft friedvoll zusammenleben können. Dass man sich gegenseitig wertschätzt und unterstützt, sodass jeder und jede Einzelne die eigenen Talente und Stärken zum Wohle der Gemeinschaft einsetzen kann. Und genau das meine ich mit meinem Hashtag #CrowdLove: Eine erweiterte Zwischenmenschlichkeit, die über den eigenen Freundeskreis hinaus geht. Wenn Menschen eine Vision oder ein Anliegen teilen und bereit sind, gemeinsam dafür einzustehen und sich dafür einzusetzen – mit welchen Mitteln auch immer, sei es Geld, Talente, Wissen, Kontakte oder Nächstenliebe.

Welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Die letzte Tour mit dem Bus der Begegnungen als Demokratiebus hat mich sehr bewegt. Wir haben mit so vielen unterschiedlichen Menschen sprechen können – von einem Mädchen, die davon berichtet hat, wie sie zunehmend Rassismus erlebt bis hin zum Neonazi, der uns erklärt hat, wieso er keine Ausländer mag, während wir auf seinem Unterarm ein Hakenkreuz entdeckten. Von Lehrern, die versuchen ihren Schülern Werte und Zusammenhalt abseits des Lehrstoffs zu vermitteln und Rentnern, die vergangenen Zeiten nachtrauern und sich eine bessere Integration neu Zugezogener wünschen. Auch der bayerische Innenminister, Joachim Herrmann, kam zu uns in den DemokratieBus, um über unsere Erfahrungen und die Zukunft der Demokratie zu sprechen. Es ist der aktive Austausch mit Menschen, wie dir und mir, der mich inspiriert und dazu antreibt, mehr Orte für Begegnungen zu schaffen.

Shai Hoffmann (c) Peter van Heesen

Welche Sprecherinnen*, Moderatorinnen* oder Künstlerinnen* haben Sie zuletzt so richtig begeistert?

Letztens war ich auf einem Konzert von Justin Timberlake (JT). Ein unfassbares Happening, nicht zuletzt aufgrund des faszinierenden Bühnen- sowie Lichtkonzepts, sowie seiner Band Tennessee Kids; eine Ansammlung der womöglich besten Live-Instrumentalisten, die bereits mit Prince und anderen Musikgrößen spielten.

Seine Karriere begann bei Star Search, einer US-Gesangscasting-Show. Anschließend folgte der Micky Mouse Club. Er wurde wenige Jahre später Mitglied der Boygroup NSYNC, die weltweiten Erfolg feierte. Seit einiger Zeit ist er nun als Solo-Künstler unterwegs. Was mich besonders fasziniert, sind seine unternehmerisch-strategischen Entscheidungen hinsichtlich der Zusammenarbeit mit erfolgreichen Produzenten, wie Pharell William, Timbaland usw. Er vermarktet sich als vielseitigen Künstler, in dem er z.B. mit dem Talkmaster Jimmy Fallon die millionenfach geklickten “The History of Rap”-Videos produziert. JTs Musik und unternehmerischer Spirit inspiriert mich und ermutigt mich groß zu denken und das scheinbar Unmögliche zu wagen.

Als Speaker bin ich immer wieder fasziniert von Dr. Naika Foroutan, die ich erst kürzlich bei einer Moderation als Podiumsgast kennenlernen durfte. Besonders beeindruckt hat mich Foroutans scharfsinnige Analyse zu gesellschaftlichen Fragestellungen aus soziologischer Perspektive. Große Anerkennung verdient Foroutan auch als Wissenschaftlerin, die sich in der unsäglichen Sarrazin-Debatte mit klugen Gegenthesen mutig in der Öffentlichkeit zu Wort meldete.

Welcher ist Ihr liebster Veranstaltungsraum/-ort?

Ich bin der Meinung, dass wir auch mit fortschreitenden digitalen ‘Veranstaltungsorten’ physische – oder wie ich sie auch gerne nenne: analoge – Begegnungsstätten brauchen. Prinzipiell mag ich jeden Veranstaltungsort, wenn er ein Ort der Begegnung ist. Als Veranstaltungsraum hat sich der Doppeldeckerbus von Linie94 bewährt. Mit ihnen fahren wir zu den Menschen auf die Marktplätze, die ja historisch bedingt eigentlich genau das – ein Ort der Begegnung, des Austausches und Handels – sind. Durch die Präsenz des magischen Gefährts, ziehen wir Jung und Alt an und sorgen dafür, dass diverse Menschen miteinander in den Austausch gelangen.

Welche Event- oder Begegnungsformate gibt es noch zu wenig?

Formate, die Menschen ungeachtet ihres Hintergrunds und ihren Ansichten zusammenbringen. Wir alle bewegen uns viel zu sehr in unseren eigenen Filterblasen – und das macht es nicht unbedingt einfacher, sich in einer diversen Gesellschaft zu verstehen. Wir sollten also bewusst Event- und Begegnungsformate an ungewöhnlichen Orten, wie Seniorenheimen, Asylunterkünften oder Schützenvereinen organisieren. Das Schöne ist: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Wie messen Sie den Erfolg von Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Der Erfolg einer Veranstaltung sollte daran gemessen werden, wie viele neue Ideen, Perspektiven und Ansichten ein/e Teilnehmer/in mitnehmen konnte – und im Idealfall ob er/sie die richtigen Menschen kennengelernt hat, die diese Vision teilen und bei der Umsetzung behilflich sein können. Kurz gesagt: Eine erfolgreiche Veranstaltung ist eine, auf der #CrowdLove entstehen und wachsen kann.

Shai Hoffmann (c) Kristoffer Schwetje

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Jede*r, der/die von meinen vielfältigen Erfahrungen etwas lernen möchte – ich liebe es mein Wissen als Coach oder auch als Dozent, Speaker oder Autor zu teilen. Und darüber hinaus natürlich jede*r, der/die ebenfalls daran interessiert ist, Menschen generationenübergreifend zu einem friedvollen Miteinander zu bewegen. Jede*r, der/die Teil der Crowd sein möchte und mich in Zukunft dabei unterstützt, auch weiterhin mit dem Bus der Begegnungen durchs Land fahren zu dürfen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner Homepage, bei LinkedIn , auf Facebook, Twitter, YouTube oder Instagram.

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzerin*?

Ich bin ein Bewunderer der Arbeit von meinem guten Freund Van Bo Le-Mentzel, der u.a. Tiny Houses und mittlerweile auch Villages baut und somit ebenfalls Räume der Begegnung schafft.

Ashraf El Sharkawy inspiriert mich, da er zu Beginn des arabischen Frühlings mit einem Freedom Bus durch Ägypten, seinem Heimatland, fuhr, um mit Menschen über Demokratie zu sprechen.

Kübra Gümüsay inspiriert mich, da sie das Zahnräder Netzwerk gegründet hat und auf zahlreichen Veranstaltungen über das interkulturelle Zusammenleben in Deutschland als Feministin spricht.

Fotos: (c) Kristoffer Schwetje und Peter van Heesen; Naika Foroutan (c) Heinrich-Böll-Stiftung (CC BY-SA 2.0)

* Männer sind mitgemeint

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.