Roger Murmann: Ich bin (Mit-)Veranstalter des Buchmesse Convents

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer “Menschenvernetzer”-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Roger Murmann und langjähriger (Mit-)Veranstalter des Buchmesse Convents, Deutschlands großem Treffen für phantastische Literatur, einem messe-unabhängigen Event im Umfeld der Frankfurter Buchmesse. Von meinem ursprünglichen Beruf Verlagskaufmann her bin ich dem geschriebenen Wort verbunden, arbeite nach einem kurzen Intermezzo als hauptamtlicher Helfer in einem Flüchtlingscamp aber aktuell als Service Agent in der Fluggastbetreuung am Frankfurter Flughafen. Ansonsten bekannter, zugegeben gelegentlich recht streitbarer Aktivist der deutschen Science-Fiction-Szene und seit nun fast 25 Jahren Sprecher des Science Fiction Treffs Darmstadt, dem traditionellen, monatlichen Treffen für Phantastik-Fans aller Genres im Rhein-Main-Gebiet. Und nicht vergessen werden darf auch der Science Fiction Club Deutschland e.V., der mit über 60 Jahren Bestand wohl älteste Zusammenschluss von Lesern der Zukunftsliteratur, für dessen Vorstand ich zwei Legislaturperioden als Zweiter Vorsitzender tätig war.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Ungefilterte Kommunikation, etwas zusammen auf die Beine stellen, kritischer Austausch, Neues erkennen und akzeptieren.

Welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Das Science Fiction Treffen im Technik-Museum in Speyer. Dort trafen die Aktiven der phantastischen Media-Szene (also teils kostümierte Fans von Star Wars, Star Trek, Ghostbusters, etc.) auf sage und schreibe 14.000 Besucher. Faszinierend ist vor allem, dass das Geschehen unter den Schwingen der russischen Raumfähre Buran und in der dortigen Raumfahrtausstellung stattfindet. So eine geniale Kulisse hat kein Science-Fiction-Event in Deutschland, ach was, Europa, zu bieten. Ich freue mich, mit einem Stand des Science Fiction Clubs Deutschland e.V. dabei gewesen zu sein und das Fähnchen der phantastischen Literatur hochgehalten zu haben.

Welche Sprecherinnen*, Moderatorinnen* oder Künstlerinnen* haben Sie zuletzt so richtig begeistert?

Das war Robert Patrick, der Gegner von Arnold Schwarzenegger in “Terminator 2” und aktuell in der (leider gerade abgesetzten) Serie “Scorpion” zu sehen. Der Mann hat einfach nur eine coole Ausstrahlung, nimmt sich selbst trotz aller Coolnesss aber nicht allzu ernst. Ich hatte das Glück, ihn auf der German Comic Con in Frankfurt/Main auf der Bühne zu erleben. Der andere Künstler, der mich begeistert hat, war Arnold Schwarzenegger selbst vor ein paar Jahren auf der Buchmesse in Frankfurt. Der Mann ist bei weitem nicht der tumbe Muskelprotz, den man ihn von der Leinwand kennt. Seine Biographie fand ich außerordentlich spannend und sehr unterhaltsam zu lesen.

Welcher ist Ihr liebster Veranstaltungsraum/-ort?

Selbstredend das Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen bei Frankfurt/Main. Ganz einfach, weil man dort phantastische Veranstaltungen auch seitens der Gemeinde seit langer Zeit akzeptiert und bestens unterstützt. Denn dort gibt es außer dem literarischen Buchmesse Convent auch noch das Dreieicher Rollenspieltreffen und die LARPwerker-Convention, eine Ausrüstermesse für Liverollenspieler. Man kennt uns, die Nerds, dort seit vielen Jahren und weiß, dass wir eigentlich keine “Verrückten” sind. Und man hat erkannt, dass dies Veranstaltungen mit bundesweiter Ausstrahlung sind, nicht einfach nur irgendwelche Hallenmieter.

Welche Event- oder Begegnungsformate gibt es noch zu wenig?

Vor ein paar Jahren hätte ich noch das Konzept der Comic Cons genannt, aber damit sind wir ja in Deutschland mittlerweile ziemlich gut versorgt. Vielleicht sogar mittlerweile ZU gut. In meinem Tätigkeitsbereich würde mir aktuell auch nichts mehr einfallen. Früher hat sich jeder beklagt, es gäbe keine Conventions, heute hat man jedes Wochenende etwas.

Wie messen Sie den Erfolg von Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Klar, der Kassenstand…lol. Nein, wir freuen uns, wenn die Panels und Lesungen voll sind, die Leute mit Bücherstapeln die Halle verlassen und am Ende von zuhause aus in den sozialen Medien einen Sturm voller Lobeshymnen lostreten. Dann wissen wir, dass die Szene eine gute Zeit gehabt hat und wir wohl wieder mal alles richtig gemacht haben. Spannend ist auch zu sehen, welche Projekte dann übers Jahr in der Szene realisiert werden. Von Leuten, die bei uns auf der Convention die Köpfe zusammen gesteckt haben. 😉

BuchmesseCon 2017
(Slideshow 2017)

Besser geht natürlich immer. Zum Beispiel würden wir uns freuen, wenn die großen Verlage des Genres noch mehr als bisher auch kleinere Events unterstützen würden. Die Szene lebt meiner Meinung nicht auf der Buchmesse selbst, sondern gerade auf solchen Independent-Events am Rande. So mancher Verlag hat schon davon profitiert und neue Talente fallen auch nicht gerade vom Himmel. Die findet man dann aber bei uns…lol.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Autoren aus dem phantastischen Genre, Selfpublisher, aber natürlich auch kleine und große Verlage dieses Genres. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Buchmesse Convent taditionell nichtkommerziell veranstaltet wird, d.h. wir zahlen keine Gagen oder Honorare. In Sachen Networking und Kontakt Autor/Leser ist das Event allerdings seit 33 Jahren ein Muss für die Szene, unschlagbar und voll akzeptiert.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.buchmessecon.de, www.sftd-online.de, www.sfcd.eu, www.conventions-online.de, www.fotomurmel.de und natürlich leidenschaftlich bei Facebook. (Nein, das ist noch lange nicht aus der Mode. Wer sagt denn sowas?)

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzerin*?

Simone Violka – die Veranstalterin der “Timelash”, Deutschlands einziger Conventions für Fans der britischen Kultserie “Doctor Who”. Ich bewundere, dass und wie es ihr und ihren Mitstreitern gelungen ist, die erste Veranstaltung dieser Reihe allen Unkenrufen zum trotz komplett per Crowdfunding vorzufinanzieren.

Foto: Roger Murmann; Robert Patrick (c) Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)

* Männer sind mitgemeint

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