Nora Gomringer, Internationales Künstlerhaus Villa Concordia: Künstlerische Arbeit muss als Investition gelten

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer “Menschenvernetzer”-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Nora Gomringer

Hallo! Ich bin Nora Gomringer, Dichterin und Direktorin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg. Qua Amtes bereite ich Heimstätte für Gäste des Freistaates Bayern und Forum für Begegnung zwischen Kunst, Künstlern und Publikum. Dazu habe ich ein Team von 5 Mitarbeitern, ich bin also auch Chefin.

Als Autorin und Performerin stelle ich mich in den sozialen Netzwerken zahlreichen Diskussionen, mische mich ein und vermeine, durch Selbstdarstellung Ermutigung für andere zu bieten. Ich bin Mitglied zahlreicher Jurys und Gremien und berate gerne, wenn ich etwas beizutragen habe. Für Projekte vernetze ich Künstler und stelle, wo immer ich bin, klar, dass künstlerische Arbeit wertvoll ist, nicht als subventionsbedürftig angesehen wird, sondern als Investition gelten muss.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Im Umgang mit dem Netz und Social Media: Druck, Kontrolle, Beobachtung, Vergewisserung, Bestärkung, Hilfe, Trost. – Ich bin im innersten Wesen eine einsam Wölfin und konstruiere mir meine reale Community so bewusst es geht, um mein privates Ich auch zu schützen.

Nora Gomringer

Welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Die #lilawo Literatur Labor Wochen der Bundesakademie für kulturelle Bildung, deren Gast ich war in Wolfenbüttel! Ein fantastisches Konzept, um sehr junge Autoren zu fördern, zu fordern und zu inspirieren. Da werden Netzwerke gebildet!

Welche Sprecherinnen*, Moderatorinnen* oder Künstlerinnen* haben Sie zuletzt so richtig begeistert?

Ich mag Stephen Colbert, weil er elegant und pointiert ist, eindeutig politisch und klar ist. Und Elke Heidenreich. Wir haben zusammen eine Veranstaltung spontan gewuppt, die glänzend lief. Sie gibt so viel von sich preis, dass man in Kopf, Herz, Armen übervoll nach Hause geht. Sie ist ein bisschen gefährlich.

Welcher ist Ihr liebster Veranstaltungsraum/-ort?

Ich mag manche Kirchen, wenn man sie mit weltlichen Inhalten füllen darf. Ich mag Konzertsäle und Theaterbühnen, mag Werkstätten und Schwimmbäder. Ich glaube, damit will ich sagen, dass tolle Spielstätten auch manchmal die fremd-nahen Orte sind.

Nora Gomringer

Welche Event- oder Begegnungsformate gibt es noch zu wenig?

Neue Musik trifft auf …
Nora fragt nach …
Der Good Human Award for Conduct in Social Media …
Tinder for real …
Show me your search history …
Talking about Instagram, the cheap porn for the needy and the happy boost for the body negative …
Public sheet music reading and explanation …
Public poetry analysis: one poem at a time …

Wie messen Sie den Erfolg von Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Applaus bei Performances, verkaufte Bücher oder CDs, Signaturanfragen, Facebook-Feedback. Gezielte Abfrage könnte helfen.

Nora Gomringer

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Veranstalter, Journalisten, Singles, die das bleiben möchten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Facebook, Instagram, nora-gomringer.de, Twitter.

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzerin*?

Ich mag ja Museumsleiter und Taxifahrer. Das sind beides oft erstaunlich verbindende Berufe, die ihre eigene gewaltige Expertise mitbringen. Ich glaube, der Theaterregisseur Jan Bosse könnte hier viel Spannendes erzählen. Selbst seine Stücke schreibt er nicht alleine. Er verwebt das gesamte Ensemble und die Text-und Sprechfähigkeit seiner Schauspieler tief in den Stoff. Was das Publikum letztlich hört ist ein großer gebündelter Chor aus den Stimmen dieser Zeit. – Jeder Slam-Veranstalter, den ich je kennenlernen durfte, ist ein super Netzwerker und in der Regel sehr respektiert.

Fotos: Jürgen Schabel für das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia

* Männer sind mitgemeint

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