Lina Timm, Media Lab Bayern: Innovation entsteht, wenn man Menschen zusammenbringt

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer “Menschenvernetzer”-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Lina Timm, Media Lab Bayern

Media Lab BayernIch leite das Media Lab Bayern, wir unterstützen Medien-Startups und Medienunternehmen darin, neue digitale Medienprodukte zu entwickeln. Wir haben uns immer schon als Hub für Medieninnovation verstanden – und die meiste und beste Innovation entsteht, wenn man Menschen zusammenbringt: Gründer aus dem Journalismus mit solchen, die programmieren oder designen, Gründer mit Medienhäusern, Medienhäuser untereinander.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Community hat in der Startup-Szene noch einmal eine ganz eigene Bedeutung. Für Startups ist alles so neu, nicht nur das Produkt, sondern für die meisten eben auch der Prozess der Unternehmensgründung selbst. Deshalb ist in dieser Szene fest etabliert, dass man sich hilft zum Beispiel über Intros: Einem Kontakt von mir jemanden vorstellen, den er noch nicht kennt, ich aber schon und für den ich ein Stück weit bürgen kann. Unter Startups denkt man immer mit, wer gerade etwas davon haben kann, mit meinem Gegenüber auch zu sprechen. Das funktioniert bei Startups untereinander, aber vor allem auch in Richtung Kunden und Investoren – und schafft ein schnell wachsendes Netzwerk und Gemeinschaftsgefühl.

Welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Global Alliance for Media InnovationÜber die „Global Alliance for Media Innovation“ (GAMI) der WAN-IFRA haben sich die unterschiedlichsten europäischen Media Labs zusammengeschlossen, rund 30 sind wir mittlerweile. Sowohl das Treffen in Bordeaux letztes Jahr als auch das diesjährige in München war eine beeindruckende Quelle an Inspiration und hat mir wieder einmal gezeigt: Veranstaltungen sind heute am gewinnbringendsten, wenn man sich in kleinen Gruppen mit bis zu 30 Leuten trifft, die alle im ähnlichen Sektor unterwegs sind, sich aber gegenseitig keine Konkurrenz machen – eben zum Beispiel über europäische Zusammenschlüsse. Ich lerne bei so etwas am meisten.

Welche Sprecherinnen*, Moderatorinnen* oder Künstlerinnen* haben Sie zuletzt so richtig begeistert?

Mike Pell von der Microsoft Garage hat auf der SXSW in Austin einen Vortrag darüber gehalten, welche Möglichkeiten Hologramme zukünftig bieten können. Das war wahnsinnig inspirierend, Mike ist jemand, der sich um die nächsten 5 Jahre gar nicht schert, sondern mindestens 10 in die Zukunft blickt und darüber nachdenkt, was dann als Nutzungsszenario cool sein könnte – nicht, ob es technisch zwingend geht.

Mehr im Hier und Jetzt, aber nicht weniger inspirierend, ist Kim Svendsen, der Director des Stibo Accelerators in Dänemark. Er schafft es, die großartigsten Bilder zu finden für die Dinge rund um Innovationskultur und die Zusammenarbeit mit Studenten und Startups.

Welcher ist Ihr liebster Veranstaltungsraum/-ort?

Beim Ort bin ich pragmatisch, er muss vor allem zum Gefühl des Events passen. Ich hatte schon tolle Medien-Sommerpartys in Innenhöfen mit Rasenflächen und super Konferenzen in modernen Hotels. Schwierig wird es aber immer, wenn es gerade in Konferenzsälen kein natürliches Licht und Fenster gibt. Das schafft einfach eine komische Stimmung, gibt es aber leider relativ häufig.

Lina Timm, Media Lab Bayern

Welche Event- oder Begegnungsformate gibt es noch zu wenig?

Nischenformate. Themencamps, die einfach mal 15-20 kluge Leute aus demselben Sektor zusammenbringen und schauen, was entsteht. Sobald du kluge Leute im Raum hast, die grundsätzlich Macher sind, wird etwas entstehen, da muss man manchmal gar nicht so viel steuern, sondern nur den Raum für Austausch schaffen.

Wie messen Sie den Erfolg von Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Es sind ja immer drei Faktoren. 1. Wie viele Leute sind da? Ist es die Zahl, die ich mir gewünscht habe für die Veranstaltung und den Rahmen? 2. Sind die richtigen Leute da? Die, die ich ansprechen wollte? 3. Wie gewinnbringend ist diese Veranstaltung für die Menschen? Haben sich alle genug zu ähnlichen Themen zu sagen und bringen trotzdem neue Aspekte mit hinein? Nummer 1 kann ich über Zahlen messen, bei 2 und 3 wird’s schon schwieriger. Ich höre immer sehr sensibel hin, wie die Gespräche auf unseren Veranstaltungen laufen und was später an Feedback kommt.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Wir suchen immer jegliche Arten von Menschen, die Innovation in den Medien voranbringen möchten. Ob als Gründer, als Mitarbeiter im Unternehmen oder als Chef, der sein Medienunternehmen innovativer machen möchte. Wir geben uns dann größte Mühe, euch gut zu vernetzen. 🙂

Lina Timm, Media Lab Bayern

Wo finden wir Sie im Internet?

Im Zweifelsfall auf Twitter unter @Luisante – oder auch einfach per Mail: lina@media-lab.de.

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzerin*?

Katharina Iten ist eine Startup-Investorin, die wahnsinnig viel mitbekommt und genau dieses Startup-Vernetzen lebt.

 

Fotos: David Pierce-Brill

* Männer sind mitgemeint

 

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