Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet – oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen

Die Diskussionen rund um das so genannte Self-Publishing, das als Begriff mindestens so unglücklich ist wie der Begriff Social Media, findet oft im luftleeren Raum statt. Sprich: Es werden Daten rund um das Self-Publishing gewertet, ohne sie zum Status quo des klassischen Buchmarkts direkt in Relation zu setzen. Dabei ist dieser, also die heutige wirtschaftliche Situation vieler Autoren, nicht allzu berauschend.

In dieser Präsentation habe ich mal ein paar Infos dazu festgehalten:

Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen
Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen
Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen
Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen
Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen
Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen
Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet - oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen

Wir sehen also: Sogar das Jahreseinkommen professioneller Autoren ist im bestehenden System recht gering. Wir reden hier über Durchschnittsbeträge von weit unter 20.000 Euro, das häufig sogar Erfolgsautoren nicht allzu weit überschreiten. Hinzu kommt, dass nicht nur der Durchschnittswert gering ist, sondern dass wir auch eine starke Ungleichverteilung der Einkommen selbst unter professionellen Autoren vorfinden, welche einer Long-Tail-Verteilung ähnelt. Die Erfolgreichsten greifen den größten Teil des Kuchens ab. Dieser Status-quo-Befund ist aus meiner Sicht der relevante Vergleichsmaßstab, an dem sich neue Modelle messen lassen müssen.

Dann aber lese ich Beiträge über Untersuchungen wie die von Taleist.com, bei der ca. 1.000 Self-Publisher zu ihren Erfolgen befragt wurden. Die Untersuchung selbst habe ich nicht gelesen. Die oft zu findenden impliziten Negativ-Wertungen in Beiträgen über solche Untersuchungen finde ich aber unglücklich, denn sie prägen ein negatives Bild.

Buchreport.de schreibt – die Fettmarkierung stammt von mir:

  • (…) einer Befragung von rund 1000 Self-Publishing-Autoren durch den australischen Autoren-Dienstleister Taleist, nach der nur rund 10% der Autoren von ihren Schreib-Einkünften leben können.

The Bookseller schreibt – die Fettmarkierung stammt von mir:

  • On average, the respondents earned just over US $10,000 from their self-published books in the year.
  • In fact, half the respondents failed to reach $500 in royalties in 2011 (…)
  • (…) a small group of self-publishing authors were earning about 75% of the reported revenue.

(Ganz am Ende nennt The Bookseller immerhin noch kurz das UK-Durschnittseinkommen.)

Jetzt kenne ich die genaue Zusammensetzung der Befragten nicht, was die Bewertung schwierig macht. Wenn man aber bedenkt, dass jeder von uns sofort zum Self-Publisher werden und an so einer Befragung teilnehmen kann, finde ich einen 10% -Anteil derer, die davon leben können, nicht enttäuschend, sondern sogar sehr beachtlich. Vor allem auf einem so neuen Feld. Wenn man ferner bedenkt, dass selbst professionelle Autoren in einem Buch-Land wie Deutschland nur ca. 17.000 Euro im Jahr verdienen, finde ich ein durschnittliches Jahreseinkommen der Self-Publisher von 10.000 Dollar positiv unterstreichenswert. Auch die Ungleichverteilung ist wenig überraschend, da sie im klassischen Buchmarkt in fast ebenso starker Ausprägung vorliegt, wie oben zu sehen ist.

Insgesamt finde ich es schade, dass solche negativen Wertungen in der Wahrnehmung der Autoren die Chancen schmälern, welche im Bereich Self-Publishing liegen – gerade auch für Verlagsautoren, wie ich in der Präsentation gezeigt habe. Meinem Eindruck nach wissen zudem viele nachstrebende Autoren gar nicht, wie vergleichsweise wenig attraktiv der Autoren-Job im Status quo des klassischen Buchmarkts ist und denken dann beim Lesen der Self-Publishing-Zahlen samt Negativ-Betonung, dass dieser Bereich völlig aus dem Rahmen falle. Dem ist aber nicht so.



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