Ich wundere mich nicht, dass Internet-Befürworter oft nicht ernst genommen werden

Das Internet krempelt unsere bisherige Welt um. Es untergräbt dabei auch massiv Hierarchien. Machtmonopole werden aufgebrochen und Informationsasymmetrien werden ausgeglichen. – Angesichts dessen sind aus meiner Sicht massivste Maßnahmen zur Bekämpfung des Internets vonseiten derer zu erwarten, die durch diesen Umbruch etwas verlieren. Und das sind ziemlich viele und ziemlich mächtige Leute. Jede andere Reaktion wäre mehr als verwunderlich.

Daher stellt sich aus meiner Sicht v.a. die Frage, wie man in einer solchen Druck-Phase, die etliche Jahre andauern dürfte, bestmöglich dagegen halten und die Vorzüge einer demokratisch-offenen, das Internet akzeptierenden Gesellschaft aufzeigen kann. Das geht nur über den ausdauernden sachlichen Dialog.

Wenn nun aber inzwischen schon relativ kleine und harmlose Maßnahmen wie der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) dazu führen, dass vielgelesene Blogger wie Thomas Knüwer zum Wahlverzicht oder zur Abgabe ungültiger Stimmen bei einer Wahl aufrufen, darf man sich aus meiner Sicht auch nicht wundern, dass auf Blogger u.ä. misstrauisch geschaut wird und dass gegen sie leicht Stimmung gemacht werden kann:

(…) In einem Punkt – danke für die Kommentare – würde ich mich nun korrigieren. Nicht wählen ist tatsächlich die schlechtere Alternative zu ungültig wählen. Ansonsten aber bleibt meine These bestehen: Eine niedrige Wahlbeteiligung stärkt Extremparteien nur unzureichend. Und weiter behaupte ich: Eine niedrige Wahlbeteiligung verstärkt den medialen Druck auf die aktuell Handelnden. Und medialer Druck ist das einzige, was Deutschlands Politiker noch interessiert. (…)

Wie will man denn andere davon überzeugen, dass wichtige Bestandteile des Status-quo erhaltenswürdig sind, wenn man sich zugleich dem demokratischen Prozess entzieht, der zu den Errungenschaften des Status-quo geführt hat, die man befürwortet? Ist man dann wirklich ein ernstzunehmender Gesprächspartner? Wer wird dadurch denn gestärkt außer denen, die man ablehnt? Wer glaubt denn, dass sich Politiker von einer niedrigen Wahlbeteiligung erschrecken lassen, solange sie ungestört ihren Geschäften nachgehen können?

Ich würde mich ja eher verabreden und gemeinsam für eine gewünschte (ggf. neue) Partei stimmen. Damit baut man im Zweifel viel mehr Druck auf.



Kommentar schreiben