Schneeglöckchen, Altersarmut und Romane

Das Schneeglöckchen (Galanthus), auch bekannt als Frühlingsglöckchen, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen oder -Glocke, Milchblume, Marienkerze, Schnee-Durchstecher, Weißglatze <3 oder Weiße Jungfrau

Wenn wir alt sind, werden mein Mann und ich Schneeglöckchen  züchten, weil das schön ist und wir so der Armut entgehen. Unser Schneeglöckchengarten wird überregional bekannt sein. An speziellen Tagen werden dezente Menschen – Grobschlächter mögen ja nichts Zartes – in den dann offenen Garten kommen, um geschmackvoll in kleine Tontöpfchen gepferchte Pflänzchen entgegenzunehmen. Sie werden dafür angemessen, aber nicht übertrieben bezahlen. Vielleicht tauschen wir auch Schneeglöckchen gegen Arbeit oder andere Pflanzen, das kommt darauf an, wie der Planet und die Gesellschaft in dreißig Jahren so ticken. Ab und zu knabbern wir an einer Schneeglöckchenzwiebel, denn das darin enthaltene Galantamin ist gut gegen Alzheimer. Akeleien, Tulpen, Clematis und Herbstanemonen züchten wir natürlich auch, dazu aber später. Ich nehme gern eure Bestellungen für 2045 entgegen. Auch für die sammelwürdigen typografisch meisterhaft gestalteten Printausgaben meiner Romane, die ich ebenfalls erst schreibe, wenn ich alt bin. Jetzt muss ich schließlich leben, damit ich später etwas zu erzählen habe, das über ‘Ich sitze am Tisch und sehe in den Garten’ hinausgeht.

 

Zuerst gebloggt am 24. Januar 2015 auf Tumblr.

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