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„Baby, bringst du noch eine Deckengarnitur mit, bitte!“

 

Da sie gern Worte auf die Goldwaage legt, muss sie lächeln.

Es ist nicht sofort ersichtlich, dass die beiden Bestatter sind, denn mit einer Deckengarnitur kann man auch Lebende zudecken. Ein Baby allerdings ist das Sinnbild für Leben, Geburt, Neubeginn. Mit einem Baby beginnt ein neues Leben für einen Mann oder eine Frau oder für beide und natürlich auch für das Baby selbst.

Die Füßchen sind weich, die ist Haut rosig und das Kind sichert sich einen Platz im Herzen der Eltern.

Aber natürlich meinte er sie, als er Baby sagte. Er sieht dabei süß in ihren Augen aus, es verleiht seiner großen Statur in dem schwarzen Anzug Leichtigkeit. In einem Trauerhaus jedoch, haben sie die Abmachung, sich nicht mit Kosenamen anzusprechen, da es ihnen zu intim und der Situation nicht angemessen erscheint.

 

„Hast du den Eltern gesagt, dass sie das Kissen von Lara mitbringen können?’“

„Ja, es ist ein kleines von der Oma gehäkeltes Kissen in Herzform. Lara soll es in den Händen halten.“

 

Er streicht dem Baby über die Wange, sie beobachtet ihn dabei.

„Ach Baby …“

 

Marlene Anwander

 

 

Aus: Christiane Frohmann (Hg.), Tausend Tode schreiben, Berlin: Frohmann, E-Book, 2014 bis heute
#1000tode #tod #sterben #trauer

One comment

  1. Avatar
    Reymond Reddington says:

    (…) es verleiht seiner großen Statur in dem schwarzen Anzug Leichtigkeit.(…)

    „Ach Baby…“

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