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Wir blicken auf unser Maskottchen, Loppilopp, einen Vogel, als die feindliche Vorhut erscheint, die zu unserer Überraschung aus drei deutschen Schäferhunden und einem Kundschafter besteht. Die Tiere werden zwar unruhig, aber offenbar haben sie uns nicht aufgespürt. Sie rücken weiter auf uns vor. Ich schieße auf den ersten Hund, den ich verfehle und Ernesto, der auf den Kundschafter abdrücken will, hat mit seiner M-2 eine Ladehemmung. Der Kundschafter zielt aus einer Distanz von nahen fünfzig Metern in unsere Richtung mit einer Pistole, dessen Magazin er leerschießt. Ich zähle: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, klar, eine Makarow! Und neun, klar! Acht Patronen im Magazin plus eine Patrone im Lauf. Und plötzlich, zusammen mit einem Druck auf meiner Brust, folgt auf den Knall eine Stille, eine tiefe Stille, eine umfassende Stille. So, als ob ich Watte in die Ohren stopfe. Aber ohne das Summen im Kopf zu hören, das dumpfe Sausen auf den Trommelfellen. Die Stille wickelt alles ein, breitet sich aus – während die Farbe Weiß verblasst und Grauschleier folgen und in die Farbe Schwarz übergehen.

 

Jo Ziegler

 

 

Aus: Christiane Frohmann (Hg.), Tausend Tode schreiben, Berlin: Frohmann, E-Book, 2014 bis heute
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