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_/_/_/_/_Nichts ist gut_/_/_/_Nichts ist gut/_/_Nichts_ist_/_Nichts__

Hell, hastig, unerbittlich. Das Klicken, es verstummt nie. Schlägt mechanisch gegen die Stirn, drückt gegen die Augen, als wolle es durchbrechen. Das soll aufhören, das muss. Es gehört da nicht hin.

Das Gras liegt gläsern unter der blassen Sonne und wehrt sich mit scharfen Kanten gegen den Druck der Hände, die spüren das nicht. Nasse Rinde, zersprungen neben dem harten Glanz der Knospen, eine vereinzelte Blüte glaubt schon an den Frühling. Kein Blick dafür. Der geht zu der kleinen Brücke wie schon so oft.

Ein Zweiklang, fern noch, kaum spürbar.

Bald.

Der Boden summt. Das Summen steigt durch die Füße in die Waden, klettert die Wirbelsäule hoch in den Nacken, in den Kopf, breitet sich aus. Verspricht Ruhe. Ja. Die Schulterblätter ziehen sich zusammen, die Füße drücken sich vom Hügel ab. Das falsche Herz rennt.

Ein Schlag Gleichklang.

Ein Zug.

Ein Schritt.

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War es so?

Im Schlaf wendet sich das Gesicht mir zu. Erkennt mich, lächelt. Kommt näher, wächst über den Hügel. Der Zug, längst vorbei. Für den Moment Erleichterung. Schwemmt die Angst weg, die Knochen, alles weich, ich muss mich setzen. Lache.

Das weckt mich auf.

Die Wirklichkeit schlägt mir ins Gesicht.

Die Leere wartet schon. Kriecht in mich hinein. Macht mir Beine aus Blei.

Draußen, vor dem Fenster, das Leben.

Hier drin ich.

 

Anja Schneider

 

 

Aus: Christiane Frohmann (Hg.), Tausend Tode schreiben, Berlin: Frohmann, E-Book, 2014 bis heute
#1000tode #tod #sterben #trauer

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