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Der erste gewollt und nicht gekonnt,
dann musste es sein.

Der zweite ohne Verzeihung,
nicht mal für sich selbst.
Verflixt und zugenäht.

Der dritte fern und plötzlich,
tief und schmerzlich.
What’s app? He passed away.
Und alles wurde anders.

Der vierte im Nachsatz,
ein Geheimnis,
das ich vielleicht gar nicht lösen will.

Der fünfte ein Vorbild.
Am schnellsten vergessen.

Den letzten haben wir nicht mal
mit dem Arsch angeschaut,
weggelacht, weggeliebt,
und dann ist er nach nebenan,
wo es stiller war.

Was sind schon fünf, sechs, tausend Tode
in einem Leben? Jeder viel zu viel.
Jeder ein Brecher,
der dein Schiff führerlos macht
und deinen Fluss des Lebens
zur Strömung im offenen Meer.

Jeder macht die Decke deines Hauses rissiger,
damit das Durchstoßen nicht so weh tut.
Jeder ist noch eine Stufe in den Keller,
damit der eigene Fall nicht so tief wird.
Läuft’s gut, leg ich mich dann nur noch hin.
Und wer hat schon Angst vorm Liegen?

 


Sebastian Dickhaut

 

(Aus: Christiane Frohmann, Tausend Tode schreiben, Berlin: Frohmann, E-Book, 2014 bis heute)

#1000tode #tod #sterben #trauer

 

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