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Möchte man die Zukunft streifen,
dann ist es letzten Endes
ein Holzkasten oder Asche nur.
Hoffnung trägt der Wind davon,
selbst den Sinn –
man stirbt nicht nur ein einziges Mal.
Der Sandsturm, die blendende Welt
alles verdirbt im gleißenden Licht
es geht wohl – oft so vieles nicht.

Man erzählt sich selbst Geschichten
und die Wände biegen sich bereits.
Trümmer liegen gar so gut.
Die Seele ist ein Regenzimmer –
bloß das Lächeln ein falscher Sonnenschein.
Die Entfremdung, der trübe Blick,
man tanzt nachdenklich, still,
es ist daher – ein lebendiger Tod.

Die Atmung verläuft zeitlebens
decrescendo und so unspektakulär,
Nichts im Leben, das die Gegenrichtung wählt.
Die Enge im Raum und im Brustkorb
und das Leben, das dauerhaft
Abschiedsbriefe und Absagen erhält.
Die Angst im Scheitern,
im Beginnen, im Verlust.
Nichts atmet man leichter aus als Leben.

 

Katka(esk)

 

 

Aus: Christiane Frohmann (Hg.), Tausend Tode schreiben, Berlin: Frohmann, E-Book, 2014 bis heute
#1000tode #tod #sterben #trauer

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