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Jeden einzelnen Tag gilt es, einen kleinen Tod zu sterben.

Sitzen und abwarten. Bis zum nächsten Auftrag, dem nächsten Arbeitseinsatz. Dazwischen ist Nichts.

Dazwischen gibt es nicht viele Möglichkeiten. Dazwischen gilt es nur zu sitzen. Durchzuhalten.

Junge Lebenszeit, die verschwendet wird. Und plötzlich ist es nicht mehr Punk.

Plötzlich denke ich an meine Eltern, die es verdient haben, dass ich durchhalte.

Lange ist es nicht mehr, bis dahin. Die Zeit wird Dir nur lang, und da sitzt Du nun, dazwischen.

Immer nur dazwischen, niemals da.

Angst macht sich breit. Was ist Dazwischen, warum bist Du nicht da?

Reiß Dich zusammen, sei da, nicht dazwischen.

Was ist mit Dir. Halte deine Gedanken beisammen, sei nicht dazwischen.

Sei doch ganz, sei ganz da, ich bin nicht dazwischen, ich bin doch da!

Angestrengt hab ich mich, aufgefressen hat es mich, und wofür?

Damit Du angesehen wirst. Damit Du wirst. Damit Du gesehen wirst.

Aber wer könnte Dich denn sehen.

Keiner. Sie haben mich nur angesehn.

Das Angesehene bewundern, niemals sehen. Nur dazwischen, niemals da.

Es gilt, jeden Tag einen kleinen Tod zu sterben.

Geschrieben steht es, und niemals ist es wahr.

 

S. G.

 

 

Aus: Christiane Frohmann (Hg.), Tausend Tode schreiben, Berlin: Frohmann, E-Book, 2014 bis heute
#1000tode #tod #sterben #trauer

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