Lade Veranstaltungen

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Literaturtage „Sonderlinge in der Gegenwartsliteratur“

20. April 2018 / 13:30 bis 21. April 2018 / 20:00

Verschrobene Gelehrte, tyrannische alte Tanten, obsessive Aussteiger, freiwillig Behinderte, selbsternannte Herrscherinnen und begeisterte Untergründler: Die Literatur ist derzeit von einem reichen Spektrum an Sonderlingen bevölkert. Hatte der Literarhistoriker Herman Meyer diesen Figurentypus in seiner klassischen Studie über den Sonderling in der deutschen Dichtung noch im 19. Jahrhundert verortet, ist er offenbar von besonderem Interesse für unsere Gegenwart.

Die ZfL-Literaturtage im Literaturhaus Berlin erkunden diesen Zusammenhang angesichts aktueller Debatten über kulturelle Vielfalt und Diversität, über den Respekt vor unterschiedlichen Identitäten und das Bemühen, möglichst allen Gruppen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu gewähren. Und doch lassen sich literarische Sonderlinge nicht einfach dem modernen diversity management überantworten, denn sie sind ihrerseits Grenzfälle einer bereits zur politischen Norm gewordenen Diversität. Als schrullige, groteske, wenn nicht absurde Figuren verweigern sie sich jeder sozialen Anerkennung. In ihrer je eigenen Partikularität empfinden sie Integration und Inklusion als Zumutungen, denen sie sich beharrlich entziehen oder denen sie bestenfalls gleichgültig gegenüber stehen. Damit stellen sie die Übereinkünfte des zeitgenössischen Pluralismus- und Diversitätsdiskurses in Frage. Bringt gesellschaftliche Integration die jeweils individuelle Vielfalt nicht immer schon um ihr eigentliches Potenzial? Bedeutet Anerkennung nicht bereits Abschwächung oder gar Absorption dessen, was gerade anerkannt werden soll?

Der vermeintlich apolitische Sonderling könnte sich demnach prinzipiell als eine diversitätsskeptische Figur erweisen, indem er auf die eigene Fremde pocht und deren soziale oder kulturelle Approbation unbeirrt ausschlägt. Seine Absonderung erzeugt eine eigentümliche Art der Autonomie, ja der Souveränität, die in spezifischer Weise ästhetisch ist. Die Literaturtage im Literaturhaus Berlin sollen daher insbesondere erkunden, welcher Ton, welche Sprache und welche literarischen Genres der Darstellung von Sonderlingen zuträglich sind.

Programm
Freitag, 20.04.2018

13.45 Begrüßung
14.00 Kat Kaufmann (Moderation: Janika Gelinek)
15.00 Jonas Lüscher (Moderation: Patrick Hohlweck)
16.30 Steffen Popp (Moderation: Jakob Gehlen)
17.30 Gertraud Klemm (Moderation: Claude Haas)

Samstag, 21.04.2018

14.00 Vortrag von Stefan Willer: Sonderlinge in der Literatur
15.00 Ingo Schulze (Moderation: Ulrike Vedder)
16.30 Fatma Aydemir (Moderation: Sonja Longolius)
17.30 Esther Kinsky (Moderation: Mona Körte)
19.00 Heinz Strunk (Moderation: Stefan Willer)

Veranstaltungsort

Literaturhaus Berlin
Fasanenstr.23,
10719 Charlottenburg, Deutschland
+ Google Karte
Website:
http://www.literaturhaus-berlin.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.