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Konferenz: Space Agency – Medien und Poetiken des Weltraums

19.05.2017 / 16:00 bis 20.05.2017 / 15:00

Konferenz: Space Agency – Medien und Poetiken des Weltraums

Film- und medienwissenschaftliche Konferenz am Institut für Theaterwissenschaft/Seminar für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin

Konzeption: Dr. Tobias Haupts/Dr. Christian Pischel (Berlin)

Rakete zum Mond oder Raumschiff zum Mars? Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass sowohl die mediale Berichterstattung und der Science-Fiction-Film als auch Dokumentationen und Wissenschaftssendungen wieder verstärkt den Weltraumflug zum Gegenstand wählen. Wurde in den 1950ern und 1960ern der Flug zum Mars noch als der nächste logische Schritt nach Erreichen des Mondes gehandelt, so lagen in den folgenden Jahrzehnten die Ambitionen, die bemannte Raumfahrt über die Erdumlaufbahn hinaus zu planen, brach. Flankiert wurde diese Entwicklung von entsprechenden Konjunkturen des Genrekinos: Mehr und mehr wandte sich der Science-Fiction-Film in den 1960ern vom Conquest of Space ab und fokussierte sich auf die gesellschaftlichen Dystopien, um schließlich Ende der 1970er Jahre nur noch sporadisch die Nähe zur faktischen Raumfahrt zu suchen.

Mittlerweile hat sich diese Situation radikal verändert. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nationale Raumfahrtagenturen wie NASA, Roscosmos, ESA und die China National Space Administration (CNSA), aber auch privatwirtschaftliche Akteure wie SpaceX oder Virgin Galactic neue Ziele avisieren, technische Lösungen unterbreiten oder Forschungsergebnisse präsentieren. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit zirkulieren wieder die spektakulären Bilder von Raketenstarts und -landungen, atemberaubende, astronomische Fotografien oder Computeranimationen von projektierten Missionsverläufen. Sekundiert wird diese Konjunktur von der Astronomie, die regelmäßig die Entdeckung neuer Exo¬planeten, kosmischer Gravitationswellen oder gigantischer Schwarzer Löcher verkündet, was in populärwissen-schaftlichen Dokumentationen und wie etwa COSMOS: A SPACETIME ODYSSEY (USA 2014) in eine illusionäre Anschaulichkeit kosmischer Dimensionen transformiert wird. Und mit Filmen der ersten Riege wie GRAVITY (USA/UK 2013, R.: Alfonso Cuarón), INTERSTELLAR (USA/UK 2014, R.: Christopher Nolan) und THE MARTIAN (USA/UK 2015, Ridley Scott) ist der Weltraum selbst im Segment des Blockbuster-Kinos wieder vertreten.

Die Tagung setzt sich zum Ziel, die medialen Inszenierungen der Raumfahrt und deren erneutes Aufleben, wie es derzeit in den Sozialen Medien, in der Berichterstattung sowie in Genrefilmen und -serien (und mit einem gewissen Vorsprung in der Science-Fiction-Literatur seit den frühen 1990er Jahren) zu beobachten ist, kritisch zu diskutieren, zu reflektieren und mit der historischen Referenzepoche des klassischen Space Race in Beziehung zu setzen. Dazu wird versucht, die Bildlichkeit und Medialität dieser Konjunktur in den Vordergrund zu stellen, um die Felder der Unterhaltungsindustrie, der politischen und gesellschaftlichen Kommunikation sowie der Naturwissenschaften und Geschichtsschreibung in eine transdisziplinäre Perspektive zu rücken. Die übergeordneten Fragen lauten: Welche Bedeutungsbildungs-, Sinnstiftungs- und Integrationsprozesse übernimmt der Imaginationsraum Weltall in der gegenwärtigen visuellen Kultur? Wie interagieren darin Nachrichtenbilder und Propagandabotschaften, Dokumentationen und Genre-Fiktionen sowie Wissenschaften und Technik miteinander? Haben die Marktkräfte der kommerziellen Raumfahrt den nationalen Zweikampf des klassischen Space Race abgelöst und wie schlägt sich das in medialen Strategien (Film, Fernsehen, Social Media) und audiovisuellen Inszenierungsweisen nieder? Wird es zu einer Renaissance der Weltraumnationen kommen oder werden zukünftige Marsmissionen als Castingshows (Mars One) oder offene Wettbewerbe (nach Vorbild des Google Lunar X-Prize) ausgetragen?

PROGRAMM

Freitag: 19.05.2017
16:15: Begrüßung und Einführung in die Tagung (Haupts/Pischel)
Space Agency – Medien und Poetiken des Weltraums

17:00: Dr. Matthias Schwartz (Berlin)
Abschied von einer Utopie. Mediale Inszenierungen der Raumfahrt in der russischen Gegenwartskultur

17:45: Dr. Sven Grampp (Erlangen-Nürnberg)
Die Appellstruktur kalter Medien: Unbestimmtheit als Wirkungsbedingung des Space Race

Samstag: 20.05.2017
10:00: Dr. Matthias Grotkopp (Berlin)
No other place to go. Das Bild vom Raumschiff Erde

10:30 Kaffeepause

10:45: Prof. Dr. Lars Schmeink (Hamburg)
”Stars are better off without us”: Interplanetare Expansion und das Posthumane in The Expanse

11:15: Dr. Rasmus Greiner (Bremen)
Das Rauschen der Stille. Filmton und Geschichtlichkeit des Weltraums

11:45 Mittagspause

13:00: Dr. Pablo Abend (Siegen)
Blue Marble Re-Revisited – Der blaue Planet als Geovisiotype zwischen Film und neuen Medien

13:30: Klaudia Wick (Berlin)
„Zum Mond und weiter?“ Das Fernsehen ist durch die Mondlandung zum Leitmedium geworden, was könnte es auf dem Mars finden?

14:00: Kaffeepause

14:15: Dr. Marion Esch (Berlin)
tba.

Veranstaltungsort

Institut für Theaterwissenschaft (FU Berlin)
Grunewaldstraße 35
12165 Berlin, Deutschland
+ Google Karte
Website:
http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we07/

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