Kirsten Wendt: Ich bin Autorin und das Gros machen E-Books aus – davon leben wir

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern bzw. mit Publishing?

Kirsten Wendt

Ich bin Autorin und veröffentliche als Selfpublisher Romane und Sachbücher.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Spätestens um acht Uhr sitze ich am Schreibtisch und öffne Outlook, Facebook, die gängigen Nachrichtenportale und die aktuellen Verkaufszahlen und -rankings meiner E-Books und die meines Mannes Marcus Hünnebeck. Taschenbücher verkaufen wir auch, aber das Gros machen die E-Books aus. Davon leben wir.

Wir gehen direkt vom Frühstückstisch in unsere Arbeitszimmer und beteuern, ganz bestimmt gleich mit dem Schreiben zu beginnen. Ich höre jedoch aus seinem Büro YouTube-Filmbesprechungen, sodass ich unbesorgt Neuigkeiten mit meiner Freundin per Chat austausche. Anschließend gehe ich meinen erwachsenen Kindern im Messenger mit mütterlichen Ratschlägen auf die Nerven.

Dann schreibe ich an meinem aktuellen Manuskript bis zum Mittagessen, das wir entweder zu Hause oder irgendwo in Leipzigs Innenstadt einnehmen, wo wir seit knapp zwei Jahren leben.

Danach geht’s erneut an die Arbeit. Die besteht nicht nur aus der reinen Schreibarbeit. Als Selfpublisher kümmert man sich selbst ums Marketing, steht im engen Kontakt zum Lektor, dem Grafiker für die Cover, den Distributoren für die verschiedenen Veröffentlichungsplattformen. Auch der Kontakt zu den Kollegen ist wichtig. Wir unterstützen uns gegenseitig – zum Beispiel bei der Formulierung von Klappentexten oder bei Messevorbereitungen.

Gegen achtzehn Uhr ist Feierabend, und wir gehen eine große Runde im Park spazieren. Bevor wir einige Stunden später Netflix-Serien schauen, landen wir trotzdem wieder vorm Computer, kommunizieren mit Lesern oder notieren uns Ideen für den nächsten Buchtitel. In diesem Beruf arbeitet man eigentlich ständig, kann sich aber auch freinehmen, wann immer man will. Das ist ein unglaublicher Luxus, wenn man es als ehemalige Angestellte anders kennt.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Vor rund zehn Jahren arbeitete ich im Vertrieb, meine Kinder waren noch jünger, ich hatte einen Hund und ein großes Haus. Ich fasste nebenbei Fuß im Online-Journalismus, war aber aus Zeitgründen gezwungen, nachts und am Wochenende zu schreiben. Dadurch gewöhnte ich mir an, nur im Dunkeln kreativ zu sein. Erst als ich mich als Autorin selbstständig machte, konnte ich zu den üblichen Zeiten arbeiten. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich umgestellt hatte. Inzwischen käme ich nicht mehr auf die verrückte Idee, bei Mondschein zu tippen.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich schreibe in verschiedenen Genres. Im Selfpublishing ist es ratsam, in den beliebtesten Rubriken zu veröffentlichen, Thriller und Liebesromanen zum Beispiel. Mein Lieblingsgenre ist jedoch das erzählende Sachbuch, das als Verlagsbuch leichter an den Mann zu bringen ist als bei der Selbstveröffentlichung. Darum suche ich noch nach der bahnbrechenden Lösung, wie ich langfristig mit diesem Problem umgehe.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Es gibt keinen freundlichen Kontakt, den ich nicht hilfreich fände. Ob nun Buchhändler, Leser, Verlage, Lesungskontakte oder Interviewanfragen. Ich beantworte alles und lasse mich gern inspirieren.

Ich bin überhaupt nicht grundsätzlich gegen eine Zusammenarbeit mit Verlagen, es gibt auch bereits einige Verlagsbücher von mir. Ab Mai schreiben mein Mann und ich zusammen an einem Kinderbuch für einen Verlag. Meistens ergibt es sich jedoch einfach nicht. Ich lasse mich derzeit auch nicht mehr durch eine Literaturagentur vertreten, weil die Unkompliziertheit im Selfpublishing überzeugt.

Wo finden wir Sie im Internet?

 

Fotos: (c) privat

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