Mit Mut und Haltung in die Zukunft führen. – So war das Camp Q 2019.

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Camp Q in Berlin am 10. April 2019; Fotograf: Thomas Kunsch
Camp Q in Berlin am 10. April 2019; Fotograf: Thomas Kunsch

200 Führungskräfte trafen sich am 10. April zum Camp Q in Berlin – der Leadership Konferenz für Querdenker. Thema in diesem Jahr: Mit Mut und Haltung in die Zukunft führen. Durch den Austausch untereinander und das vielseitige Programm haben die Führungskräfte viele inspirierende Impulse, Mut für Neues und neue Erkenntnisse mitnehmen können. 

Was bedeutet Mut für eine Führungskraft, die es bereits ganz nach oben geschafft hat? Saori Dubourg, Mitglied des Vorstands bei BASF, fallen sofort Situationen ein. Zum Beispiel als sie im BASF-Vorstand den Vorschlag einbrachte, in der Zukunftsstrategie des Unternehmens die Idee des Total Social Impacts stärker in den Fokus zu rücken, also bewusst den Einfluss der Produkte und Geschäftsaktivitäten auf Gesellschaft und Umwelt mitzudenken und mitzugestalten. Heute ist dieser Gedanke fest in der Unternehmensstrategie verankert. „In einem Zeitalter, in dem Wahrheit nicht mehr ganz so transparent ist, ist es wichtig, als Politiker oder Manager Haltung zu zeigen“, ist Dubourg überzeugt. Sie rät allen Führungskräften, sich ihrer Werte bewusst zu sein und daraus eine Haltung zu entwickeln, die man umsetzt. Auch wenn man dazu Mut braucht.
Dubourg ist oberste Führungskraft. Und mutig. Schon als junge Führungskraft entschied sie sich, ihre Mitarbeitenden offen um Kritik an ihrem Führungsstil zu bitten. Ihre Haltung: „Nur so können wir lernen.“

Saori Dubourg und Ralph Brinkhaus beim Camp Q in Berlin am 10. April 2019; Fotograf: Thomas Kunsch
Saori Dubourg und Ralph Brinkhaus beim Camp Q in Berlin am 10. April 2019; Fotograf: Thomas Kunsch

Mut und die Bereitschaft zu lernen, scheint untrennbar verbunden, das machten auch die anderen Referenten des Tages deutlich. Politiker Ralph Brinkhaus überraschte mit offenen Worten zu seinem Alltag als Politiker. Es sei durchaus eine Verführung, sein Fähnchen nach dem Wind der Medien zu hängen, weil es Wähler zieht. Doch er selbst hätte die klare Entscheidung getroffen, dass er das nicht tut. Er benutze keine typischen Buzzwords, um die Stimmung aufzuheizen und er beschimpfe auch niemals andere Politiker. Nicht allen Wählern gefällt das. „Ich nehme mir die Freiheit zu scheitern“, erklärt Brinkhaus. Denn mutig zu entscheiden könne man nicht von den Erfolgsaussichten abhängig machen, sondern ausschließlich von einer inneren Haltung. „Wenn ich das Gefühl habe, mein Bestes zu geben, werde ich innerlich ruhig“, erklärt der Politiker. „Egal, wie es dann ausgeht.“

Vielleicht ist das der Mut, den man braucht, um überhaupt mutige Entscheidungen zu treffen: Man muss damit leben können, dass man nicht sofort das große Ruder rumreißt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar auf Widerstände stößt. Vielleicht sogar im ersten Anlauf scheitert. Dennoch sollten Führungskräfte genau in diesem Querdenken und Mutigsein ihre Kraft investieren, ist sich Autorin und Unternehmerin Anja Förster sicher, wie sie in ihrem Keynote-Vortrag betonte. Sie teilt klar in alte und neue Welt: Früher zeichneten einen guten Mitarbeitenden Fleiß, Sorgfalt und Intelligenz aus. Das brauche man heute immer noch. „Aber heute kommen drei Dinge dazu: Initiative, Kreativität und Leidenschaft.“ Nur, wenn sich viele im Unternehmen trauen, mutig zu sagen, wenn sie alte Regeln für überholt halten oder Entscheidungen für falsch, entstünden innovative und zukunftsfähige Ideen. Förster nennt das Beispiel des niederländischen Pflegedienstleisters „Buurtzorg“ (deutsch: Nachbarschaftshilfe), der sich mit einem völlig neuen Pflegekonzept in zehn Jahren zum Marktführer mit 10 000 Mitarbeitenden in den Niederlanden entwickelte und bei Beschäftigten wie Kunden gleichermaßen beliebt und geschätzt ist. Dabei macht Buurtzorg so ziemlich alles anders als die übliche ambulante Pflege: Die Teams verwalten sich selbst, der Chef ist abgeschafft. Die Pflegenden rechnen ihre Arbeit nach Zeit ab und entscheiden selbst, welche Unterstützung für den Hilfsbedürftigen gerade die beste ist und wie lange dies dauert. Ziel der Unterstützung ist stets, die Selbstständigkeit der Kunden zu erhöhen. Förster zitiert das Firmenziel: „Wir sind gut, wenn wir uns schnell wieder überflüssig machen.“

Anja Förster beim Camp Q in Berlin am 10. April 2019; Fotograf: Thomas Kunsch
Anja Förster beim Camp Q in Berlin am 10. April 2019; Fotograf: Thomas Kunsch

Solche Ergebnisse wollen natürlich viele Unternehmen, weiß Förster. Aber dazu brauche es eine neue Firmenkultur. „Initiative, Kreativität und Leidenschaft kann man nicht anordnen. Sie sind ein Geschenk des Mitarbeiters an das Unternehmen.“ Dieses Geschenk bekommen Firmen, wenn sie den richtigen Rahmen schaffen, der zum Querdenken einlädt. Doch darüber werde zwar viel gesprochen, aber die Realität sieht anders aus. Förster: „Es ist Irrsinn im Quadrat. Es wird Ideenreichtum gefordert, aber Anpassung belohnt.“ Zu viele Regeln, keine Kultur des Widerspruchs, zu viel Anpassung – all das macht innovative Ideen zunichte. Förster: „Wer Zäune um Menschen baut, bekommt Schafe.“ Mit der von ihr gegründeten Initiative „Rebels at Work“ unterstützt sie Mitarbeitende in etablierten Unternehmen beim Kulturwandel.

Bodo Uebber, scheidendes Mitglied im Vorstand von Daimler, ergänzte die Appelle von Anja Förster mit Blick aus der Praxis eines Konzerns. „Wir brauchen Mut – aber mit Substanz“, stellte er fest. Es gäbe gerade in einem produzierenden Unternehmen viele Bereiche, in denen es immer noch darum ginge, einfach die Arbeit zu tun – und nicht darum, mutig querzudenken. Sein mutigster Schritt der letzten Jahre? Uebber und seine Vorstandskollegen baten 144 Mitarbeitende aus verschiedenen Hierarchien und Ländern darum, die neuen Führungsprinzipien zu entwickeln. So viel Verantwortung abzugeben, hätte schon Mut erfordert, erzählt Uebber. Aber nun sei er sehr zufrieden mit dem Ergebnis und der neuen Führungsqualität, zu der viele kulturelle Neuheiten gehörten, wie beispielsweise 360-Grad-Feedback für Führungskräfte oder der Beschluss alle Stellen weltweit auszuschreiben.

Genau an dieser Stelle, wenn spannende Experten ihren Input gegeben haben und die Teilnehmenden angenehm inspiriert zum Kaffee schlendern, hören viele Veranstaltungen auf. Doch das Camp Q legte hier erst richtig los. Mit den interaktiven Stationen des Erlebnis-Parcours rund um Fragen wie: Wie setze ich mutige Ideen langfristig um, ohne mich von kurzfristigen Dringlichkeiten ablenken zu lassen? Wie fühlt sich Mut für mich persönlich an? Was könnte ein erster Schritt sein, um in meinem Unternehmen etwas zu verändern? Wer unterstützt mich im Mutigsein? In den sechs einstündigen Workshops fanden die 200 Führungskräfte zum Teil sehr persönliche Antworten. Am Abend verließen deshalb 200 mit Mut gestärkte Führungskräfte das Ellington Hotel in Berlin. Viele mit ganz konkreten Vorhaben für eine mutigere Haltung in ihren Berufsalltag: „Ich mache meine Haltung transparent.“ Oder „Ich werde meine Pflicht zum Widerspruch stärker und häufiger wahrnehmen.“ … „Ich werde bei meinem Chef für meine Priorisierung der Themen eintreten.“ … „Ich werde meinen Mitarbeitern mehr Freiraum geben.“ Und es kann gut sein, dass der „Mutausbruch“ des Camp Q im Laufe der Zeit noch viel weitere Kreise zieht. Denn das wurde im Laufe des Tages auch klar: Mut ist ansteckend. Wer mutig handelt, ist anderen ein Vorbild.

 

[Erstveröffentlichung des Beitrags am 16. April 2019 auf dem Camp Q Blog.]

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