Friederike Busch: Erfolg zeigt sich dadurch, dass Menschen wiederkommen

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer Menschenvernetzer*innen-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann. – Alle Interviews sind im Nominierungspool für den ORBANISM AWARD, der herausragende Menschenvernetzer*innen auszeichnet.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Friederike Busch

Ich bin Friederike Busch und leite verschiedene Projekte beim Veranstaltungsforum Holtzbrinck Publishing Group. Unser Büro in Berlin vernetzt über interne Konferenzen die Verlage und ihre Mitarbeiter*innen von Holtzbrinck untereinander. Über unsere öffentlichen Veranstaltungen bringen wir darüber hinaus ganz viele unterschiedliche Menschen zusammen, die mit Podiumsgästen z.B. über Wissenschaft diskutieren oder auf Lesungen mit Autor*innen ins Gespräch kommen. Privat versuche ich über Twitter auf tolle Leute aufmerksam zu machen. Gerade weil ich mich irgendwie für alles interessiere ergeben sich da schöne interdisziplinäre Begegnungen.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Mir ist sehr wichtig, dass wir die Community, die wir mit unseren Veranstaltungen aufbauen, ernst nehmen und zu Wort kommen lassen. Bei Podiumsdiskussionen planen wir immer viel Zeit für Fragen aus dem Publikum ein, laden anschließend noch zum Bleiben und Austauschen bei Getränken ein. Aber auch Gespräche im ganz kleinen Rahmen sind mir wichtig. Für das ZEIT Forum Wissenschaft habe ich z.B. mal besonders junge Teilnehmer*innen angesprochen und sie ein paar Tage später mit mit viel Zeit und Ruhe in ein Café eingeladen, um einfach mal zu fragen: Was wünscht Ihr Euch? Welche Themen? Was stört Euch? Was gefällt Euch? Eine Gemeinschaft ernst zu nehmen bedeutet auch, Kritik auszuhalten und bereit zu sein, Dinge zu verändern. Bei dem Gespräch habe ich so viel erfahren! Ich war überrascht, dass gerade Jüngere die ganz klassische Podiumsdiskussion sehr zu schätzen wissen und daran gar nichts ändern würden. Was sie kritisiert haben, war, dass wir zu lange Antworten aus dem Publikum zulassen und dadurch weniger Menschen Fragen stellen können. Seitdem sammeln wir die Fragen auf Karten schriftlich ein. Dadurch hat die Veranstaltung so viel Input gewonnen. Denn ich kann ähnliche Fragen bündeln, insgesamt mehr Fragen stellen und es kommen auch Fragen von Menschen, die sich nicht trauen würden, vor 300 Teilnehmer*innen ihre Frage ins Mikrofon zu sprechen. Und wenn ein Podiumsgast nicht klar antwortet, hake ich als Publikumsanwältin nach oder formuliere nochmal um. Unsere Teilnehmer*innen sind nicht nur Zuschauer, sie gestalten die Diskussionen und Gespräche mit. Dadurch werden wir zu einer Gemeinschaft.

Welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Oh, da gibt es einige. Darf ich mehrere nennen? Der Female Future Force Day von Edition F und die Veranstaltungen der Global Digital Women waren sicher meine Favorites in diesem Jahr. Ich habe unglaublich viel von den ganzen Speaker*innen gelernt und das Publikum bei beiden Formaten ist so divers, offen, klug und respektvoll untereinander – das war toll. Das Debattencamp von der SPD hat mir auch viel Freude gemacht, genau so stelle ich mir Politik vor: als Auseinandersetzung mit großen Visionen und anschließend die digitale Aufbereitung bei der alle mitdiskutieren können – voll gut. Die letzte Lesung der Picador Professur in Leipzig, die ich organisieren durfte, hat mich auch sehr glücklich gemacht. Die Autorin Sasha Pimentel hat ihre Gedichte nicht ‘nur’ vorgetragen, sie hat sie zu einem Ereignis werden lassen. Sie hat das Publikum mit LED-Fingerringen ausgestattet, damit sie zum Lichtermeer von ihrer Heimatstadt El Paso werden lassen und zusammen mit dem großartigen Jan Wilm alle super charmant eingebunden. Und in so einer Atmosphäre über Politik, Liebe und Sprache zusammen nachzudenken, ist schon ein echtes ein Geschenk.

Welche Sprecherinnen*, Moderatorinnen* oder Künstlerinnen* haben Sie zuletzt so richtig begeistert?

Die eben erwähnten, dann auch Teresa Bücker, was wären wir ohne ihre klaren Statements und Einordnungen, Kristina Musholt weil sie so unglaublich gut formuliert und klug argumentiert, Tijen Onaran, die wie keine andere Frauen stärkt, die richtigen Menschen zusammen bringt und damit die Digitalisierung vorantreibt, die Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo, weil sie so wahnsinnig gut die Notwendigkeit eines offenen Kulturbegriffs erklärt, die Autorin Yaa Gyasi, weil sie sehr, sehr gut schreibt und es eine Freude ist, ihr zuzuhören, Nikola Richter und Karla Paul, weil sie so viel für das Digitale Publizieren und Lesen tun. Und Jule Specht, die ganz viel Kraft in die Verbesserung der Bedingungen der Wissenschaftler*innen tut und sehr gut auf der Bühne spricht!

Welcher ist Ihr liebster Veranstaltungsraum/-ort?

Das Funkhaus Berlin ist super und das Radialsystem für große Veranstaltungen, weil die Räume so viele Möglichkeiten für verschiedenen Formate und Präsentationen bieten. Für kleine Veranstaltungen ist der Salon am Moritzplatz ein Traum, perfekt erreichbar und gemütlich eingerichtet.

Welche Event- oder Begegnungsformate gibt es noch zu wenig?

Ich bin immer sehr begeistert, wie engagiert Schüler*innen bei unseren Veranstaltungen mitdiskutieren und wie toll sie auch in unseren Picador at School Workshops schreiben! Deswegen würde ich gerne mehr Veranstaltungen für Schüler*innen sehen, die sie auch auf die Bühne holen. Junge Menschen bekommen zu wenig Gehör und werden nicht ernst genug genommen. Warum lassen wir sie nicht mal zu Bildung diskutieren? Warum hören wir ihnen nicht viel mehr zu, wenn es um die Zukunft, das Klima und unser Zusammenleben geht? Kinder und Jugendliche an die Macht!

Wie messen Sie den Erfolg von Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Wir haben eigentlich fast nur lange Veranstaltungsreihen, die wir aufbauen, damit Themen langfristig behandelt werden können und sich eine Community aufbauen kann. Wir schauen uns Statistiken zu unseren Veranstaltungen an und sehen, wie sich die Anmeldezahlen verändern. Erfolg zeigt sich dadurch, dass Menschen wiederkommen, aber natürlich auch dadurch, dass man ganz neue Leute dazubekommt und begeistern kann. Wir bekommen viel direktes Feedback bei Veranstaltungen vor Ort oder kurz danach, aber es wäre gut, wenn man noch eine Möglichkeit hätte, detailliertes Feedback einzusammeln. Auf eine nette, persönliche Art. Emails sind dafür nicht geeignet. Eine Eventapp wäre dafür eigentlich ganz gut, aber die Barriere, die sich extra herunterzuladen ist für die Teilnehmer*innen zu hoch.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Alle Menschen, Unternehmen, Stiftungen, die Projekte umsetzen wollen, die im Bereich Wissenschaft, Politik und Literatur uns alle voranbringen, fordern und Spaß machen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.vf-holtzbrinck.de, www.picadorprof.de, www.sfischergastprofessur.de, @picadorprof, @VFHOLTZBRINCK

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzerin*?

Tijen Onaran natürlich. Aber die hast Du wahrscheinlich schon gefragt. 🙂 Janika Gelinek und Sonja Longolius, die ein so tolles Programm im Literaturhaus zusammenstellen, dass ich da gerne gleich einziehen würde.

 

Foto (c) Phil Dera

* Männer sind mitgemeint


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