Christina Rühlmann: Ich leite die Kommunikation der Berliner Kreativagentur Archimedes Exhibitions

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer Menschenvernetzer*innen-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann. – Alle Interviews sind im Nominierungspool für den ORBANISM AWARD, der herausragende Menschenvernetzer*innen auszeichnet.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Christina Rühlmann

Ich bin Christina Rühlmann und ich leite die Kommunikation der Berliner Kreativagentur Archimedes Exhibitions. Wir vermitteln Wissen. Das bedeutet, wir konzipieren, designen und bauen mit einem großen interdisziplinären Team Ausstellungen und Installationen – und zwar in erster Linie für Wissenschaftseinrichtungen auf der ganzen Welt, seien es Forschungsorganisationen oder Wissenschaftsmuseen.

In den letzten Jahren hat sich unsere Branche stark verändert, wie insgesamt die Kommunikation sich ja sehr gewandelt hat. Im Vordergrund steht nicht mehr ein Bewerben, sondern das Geschichtenerzählen. Immer mehr politische und kulturelle Einrichtungen, aber auch Wirtschaftsunternehmen kommen nun zu uns und wollen Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, Innovationen oder auch ihre historische Vergangenheit anschaulich in den Raum gebracht wissen, um mit ihren Zielgruppen in einen Dialog zu treten. Und wenn das spannend ist und wir finden, dass die Geschichte viele Menschen erreichen sollte, dann machen wir das.

Unsere Formate sind dabei immer interaktiv. Menschen wollen mitmachen, während sie etwas lernen. Auch hier hat sich viel verändert, Besucher*innen von Ausstellungen bekommen nicht mehr historische Fakten streng chronologisch präsentiert, sondern erschließen sich Sinnzusammenhänge mehr und mehr autark. Gerade junge Menschen sind es gewohnt, sich Inhalte wie im World Wide Web selber zusammen zu stellen, Querverweisen zu folgen und von Thema zu Thema zu springen. Das finde ich super interessant, weil es zum einen für uns eine große Konkurrenz bedeutet – schließlich müssen wir uns gegen die allseits verfügbaren Informationen aus dem Netz behaupten – zugleich aber auch neue Arten zulässt, wie wir bei uns Inszenierungen entwickeln.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Für mich bedeutet das respektvollen Austausch und geistige Inspiration, sei es im städtischen Raum, in einem geschützten Umfeld oder im beruflichen Kontext. Im Idealfall ist diese Community interdisziplinär und divers.

Welches Communityformat oder welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert und warum?

Wir durften in diesem Jahr zum ersten Mal kreativ an der Berlin Science Week mitwirken. Ein tolles Format mit ganz viel Potential, und, soweit ich das überblicken kann, in dieser Form auch einmalig. Ziel ist es, Berlin eine Woche lang zu einem Treffpunkt für die Wissenschaft zu machen. Wir haben zwei Tage mit unserem Roboter Felix, der die Mimik der Besucher spiegelt, auf dem Campus im Museum für Naturkunde verbracht. Und so viele Menschen kennen gelernt! Wichtig an diesem Format ist ein bunter internationaler Mix – aus allen möglichen Eventformaten. Das geht vom Slam im Club bis zum Lab in der BVG, vom klassischen Vortrag bis zum improvisierten Theaterstück. Ich glaube ja, dass Wissenschaft in unserer Gesellschaft zwar sehr angesehen ist, aber im Alltag noch viel präsenter sein könnte.

Welche Sprecher*innen, Moderator*innen, Künstler*innen oder Creator*innen haben Sie zuletzt so richtig begeistert und warum?

Im Sommer bin ich recht unbedarft, sprich uninformiert, auf eine Lesung von Sibylle Berg gegangen. Sie ist toll, das wusste ich, ich habe alle ihre Bücher. Aber was mich dort erwartet hat, war gar keine Lesung. Es war ein Happening. Frau Berg hat sich für GRM mit dem Musiker T.Roadz zusammengetan und eine laute, wilde, starke und liebevolle Performance abgeliefert.

Ehrlicherweise fand ich aber am besten, wie sie einen der Besucher in der ersten Reihe mit den Worten: »Ich habe Sie auch sehr lieb, aber könnten Sie jetzt ihr Handy ausmachen, es stört mich« zurechtwies. Frau Berg ist eine Große. Ihr Twitter-Account ist übrigens auch toll.

Welcher ist Ihr liebster Begegnungsraum/Veranstaltungsort und warum?

Ich mag ja lieber Räume, die normalerweise einen anderen Zweck haben und nur für bestimmte Events umgenutzt werden. Soll ich jetzt in Berlin bleiben? Hier ist das Museum für Naturkunde wunderschön. Die Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz ist auch klasse. Eigentlich alle Berliner Theater, auch die Schaubühne am Lehniner Platz oder das Berliner Ensemble. Und ich liebe die Gethsemanekirche!

Welche Community- oder Eventformate gibt es noch zu wenig?

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass wir per se von allem viel zu viel haben. Aber was es definitiv zu wenig gibt, sind sinnvolle Events für Eltern, bei denen es um echte Unterstützung und relevante Netzwerke geht. Als Mama von zwei kleinen Kindern spreche ich da aus eigener Erfahrung, hier fehlt einfach das berühmte »Dorf« und es wäre fantastisch, wenn das irgendwie kompensiert werden könnte. Es gibt auch noch zu wenig gute Karrierenetzwerke speziell für Frauen, die sich NICHT selbständig machen möchten.

Gemeinsam mit dem IDZ haben wir außerdem eine neue Event-Reihe ins Leben gerufen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Verantwortung von Gestalter*innen und Bewohner*innen von Berlin zu thematisieren. Wir wollen damit einen Raum für alle bieten, in dem wir erörtern, wie wir unsere Stadt lebenswerter machen. Dabei fangen wir mit der urbanen Mobilität an und gehen dann weiter zu den Themen Leben, Arbeiten und Wohnen und schließen ab mit den Menschen in der Stadt. Ich bin sehr gespannt, was sich in diesem Rahmen für Perspektiven ergeben werden.

Wie messen Sie den Erfolg von Communityformaten oder Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Ich finde es sinnvoll, Erfolg nicht nur in Zahlen und Statistiken zu messen. Erfolgreiche Veranstaltungen müssen nicht unbedingt hohe Besucherzahlen haben. Klar ist es toll, wenn man eine große Reichweite hatte, aber es gibt doch auch andere Parameter, die zählen, schließlich sprechen wir bei Events über Begegnungen von Menschen.

Bei uns ist jedes Event anders und was für uns vor allen Dingen zählt, ist, wenn die Gäste danach persönliches Feedback geben und sich bedanken. Und wenn das nur 30 Menschen waren, die aber alle etwas Neues mitgenommen haben, ist das manchmal schon Erfolg genug. Ich bin generell kein Freund von »höher, schneller, weiter«. Oft bringt ein »anders« viel mehr.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Menschen, die sich für Kommunikation begeistern, Menschen, die sich für Menschen begeistern. Die eine Geschichte im Kopf haben, aber nicht wissen, wie und in welcher Form sie diese der Öffentlichkeit erzählen können. Und alle, die Sorge haben, dass ihr Thema zu komplex ist, um daraus etwas anderes zu machen als ein Paper. Man kann aus allem ein Erlebnis machen, glauben Sie mir. Aus allem!

Wo finden wir Sie im Internet?

www.archimedes-exhibitions.de

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzer*in?

Der professionellste und charmanteste und erfahrenste Menschenvernetzer, den ich kenne, ist Giovanni di Lorenzo von der ZEIT. Fragen Sie ihn doch mal. Und Matze Hielscher von Mit Vergnügen, dessen Interviews ich so gerne höre. Ihn auch.

 

Christina Rühlmann ist Veranstalterin bei »Transforming People & Places: Urban Mobility – How Shall We Move Tomorrow?« rund um innovative Raum- und Mobilitätskonzepte sowie nachhaltige Stadtentwicklung von unseren Medienpartnern IDZ Internationales Design Zentrum Berlin und Archimedes Exhibitions. Anmeldung bitte per Mail an presse(at)archimedes-exhibitions.de.

 

Foto: (c) Michael Feser / Archimedes Exhibitions


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