Nico Rose: Austausch mit anderen Menschen erweitert das eigene Möglichkeitsfeld

Wir mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer “Menschenvernetzer”-Interviewreihe regelmäßig hier im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühne heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann.

Wer sind Sie und wie bringen Sie Menschen zusammen?

Mein Name ist Nico Rose, ich stamme aus Hamm, laut TAZ einem der „dunkelsten Löcher in Westfalen“, bin verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Katzen. Von Ende 2010 bin Ende 2018 habe ich bei Bertelsmann, zuletzt als Vice President, gearbeitet und war dort für das Employer Branding und die Recruiting-Programme verantwortlich. Ab April 2019 gehe ich an die International School of Management (ISM) und werde dort Wirtschaftspsychologie unterrichten.

Im vorigen Job war ich u.a. für die Initiative „Talent Meets Bertelsmann“ verantwortlich, eine hybride (interne plus externe) Talent Community, die wir seit 2008 global aufbauen. Im Kern geht es um ein mehrtägiges Case-Study-Event für Studenten, welches jedes Jahr im Frühsommer in Berlin stattfindet. Rund um die Gruppe der jeweils aktuellen und ehemaligen Teilnehmer werden verschiedene andere Veranstaltungen und Online-Aktivitäten ausgerichtet. Der Buchreport hat das 2017 portraitiert – ansonsten gibt’s hier auch ein Video zum zehnjährigen Jubiläum.

Im Übrigen halte ich Vorträge und schreibe viel, z.B. als XING-Insider oder auf Plattformen wie Wiwo.de oder Handelsblatt.de. Wenn man durch das geschriebene Wort Diskussionen auslöst, dann ist das in meinen Augen auch eine Form von Vernetzung. Außerdem betreibe ich noch eine Seite auf Facebook, das Ministerium für Schwermetall. Hier lebe ich meine Leidenschaft für Heavy Metal aus.

Was bedeutet für Sie Community bzw. Gemeinschaft?

Ich bin ein recht introvertierter Mensch, was viele Menschen nicht wahrnehmen, die mich vielleicht einmal als Speaker erlebt haben. Ich brauche viel „Zeit in Ruhe“, kann gut und gerne Tage am Stück nur mit meiner Familie verbringen – oder auch ganz allein. Allerdings verstehe ich, dass viele tolle Dinge nur entstehen können, wenn sich Menschen zusammentun und ihre Stärken kombinieren. Ich mag den Begriff des „Adjacent Possible“, der ursprünglich in der Evolutionsbiologie geprägt wurde – und welchen der Autor Steven Johnson auf das Thema Innovation übertragen hat. Vereinfacht gesagt geht es um die Tatsache, dass Evolution wie auch Innovation sich pfadabhängig vollziehen. Es gibt keine wilden Sprünge, stattdessen verlaufen sie entlang einer unendlichen Kette des „naheliegenden Möglichen“, anhand von Rekombinationen und kleineren Erweiterung dessen, was bereits existiert. Ich persönliche glaube, dass dieses Prinzip auch auf den einzelnen Menschen zutrifft. Wer viel in öffentliche Räume geht und sich mit anderen Menschen austauscht, der rekombiniert und erweitert sozusagen das eigene Möglichkeitsfeld – und somit am Ende des Tages auch den Möglichkeitsraum der Gesellschaft als solcher. Darüber spreche ich auch in meinem TEDx Talk an der Handelshochschule in Bergen/Norwegen aus dem Jahr 2014.

Welche Veranstaltung hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Das war die Full Metal Cruise nach Schottland Ende August, ein Kreuzfahrt für Metal-Fans, die Teil des Wacken-Universums ist. Ein ganzer Dampfer voller verrückter Headbanger – das ist schon eine große Freude. Der Kapitän hat mir im Übrigens erzählt, dass bei keiner anderen Kreuzfahrt so viel Bordpersonal unbedingt Dienst schieben möchte – und es gibt auch die niedrigste Krankenquote. Der Grund: es wird zwar im Schnitt etwas länger und heftiger gefeiert, aber dafür sind alle Leute total tiefenentspannt, keiner meckert rum.

Welche Sprecherinnen*, Moderatorinnen* oder Künstlerinnen* haben Sie zuletzt so richtig begeistert?

Für Talent Meets Bertelsmann 2018 hatten wir Alice Merton (bekannt durch ihren Welthit „No Roots“) eingeladen, das war absolute Spitzenklasse. Wenn man Rockmusik der etwas härteren Gangart mag, dann empfehle ich auf jeden Fall den Besuch eines Konzerts der Band Ghost. Sie waren einer der Headliner beim Wacken Open Air 2018 – ihre Bühnenshow ist grandios. Als Speaker haben mich in den letzten Jahren der Dirigent Itay Talgam wie auch der Poet David Whyte sehr beeindruckt – ich hatte das Glück, beide auf einem Event in London sehen zu können. Auf Seiten der Moderation hatte ich in den vergangenen Jahren die Gelegenheit, mit Jochen Schropp, Annett Möller und Amiaz Habtu zusammenarbeiten zu können. Alle drei waren – auf sehr unterschiedliche Art und Weise – äußerst professionell und abseits der Bühne vollkommen down-to-earth. Hervorheben möchte ich noch eine zufällige Begegnung mit Wladimir Klitschko. Ich habe ihn im Oktober 2018, frühmorgens und völlig gejetlagged, in einem Hotel-Gym in Boston kennengelernt. Er arbeitet mittlerweile als Coach und Speaker. Wir haben uns nach dem Workout ein wenig unterhalten, er ist sehr sympathisch und zugänglich. Mit ein bisschen Stolz kann ich verkünden, dass er ein Vorwort zu meinem nächsten Buch beisteuern wird.

Welcher ist Ihr liebster Veranstaltungsraum/-ort?

Das ist nicht zwingend ein konkreter Ort, weil dieser ab und zu wechselt – aber die jährlichen Alumni-Meetings meines Studiengangs in Positiver Psychologie an der University of Pennsylvania in Philadelphia sind für mich etwas ganz Besonderes: Eine Mischung aus Treffen mit alten und neuen internationalen Freunden, fachlichem Input auf Spitzenniveau – und der besonderen Atmosphäre, die entsteht, wenn 200 unverbesserliche Optimisten aufeinandertreffen und für 48 Stunden einen „besonderen Raum“ kreieren.

Welche Event- oder Begegnungsformate gibt es noch zu wenig?

Ich fürchte, es gibt im Allgemeinen immer noch zu viel Frontbeschallung. Nach meiner Ansicht gibt es noch reichlich Raum für BarCamps und ähnliche Mitmachformate.

Wie messen Sie den Erfolg von Veranstaltungen und wie könnte das noch besser gelingen?

Das ist eine schwierige Frage, die kann ich nicht zufriedenstellend beantworten. Generell denke ich, dass – wie beispielsweise auch im Training oder Coaching – der Transfer noch weiter verbessert werden kann. Sprich: Wie stellen wir sicher, dass die Impulse, die Menschen von einer Veranstaltung mitnehmen, auch tatsächliche Auswirkungen im „richtigen Leben“ haben?

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Ich bin derzeit in einer Zwischenphase meines Berufslebens – nicht mehr in meinem alten Job bei Bertelsmann, noch nicht in meinem neuen an der ISM, von daher muss sich noch einiges sortieren. Generell gilt, ganz eigennützig formuliert: Ich suche immer nach Redakteuren, Journalisten usw., die Interesse an Input rund um Positive Psychologie, Führung, Coaching, Organisationsentwicklung usw. haben. Und natürlich Unternehmen und Organisationen mit Interesse an Vorträgen und Workshops.

Wo finden wir Sie im Internet?

Einige Kontaktpunkte habe ich eingangs schon genannt. Natürlich erreicht man mich auf allen gängigen Social Media-Plattformen und meiner Homepage. Mein bereits erwähnter TEDx Talk in Bergen sowie jener an der EBS Oestrich-Winkel aus dem Jahr 2016 könnten definitiv noch ein paar Klicks vertragen.

Und zu guter Letzt: Wem sollten wir diese Fragen auch mal stellen – wer ist aus Ihrer Sicht eine großartige Menschenvernetzerin*?

Auf jeden Fall Tijen Onaran, die Gründerin von Global Digital Women. Bernd Rathjen von der Eventagentur Corporate Candy. Hauke Schwiezer, Gründer von Startup Teens. Und definitiv Thomas Jensen, Co-Founder des legendären Wacken Open Air.

 

Fotos: privat

* Männer sind mitgemeint

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