Thomas „Chapeau“ Endl: Ich will ändern, dass Bücher meist schnell wieder vom Markt verschwinden

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Als Thomas Endl schreibe ich schon lange vor allem Kinderbücher, als Chapeau zaubere ich mit der „edition tingeltangel“ E-Books aus dem Hut – jetzt ganz frisch das allererste: „Wenn die Trubeljule kommt – Sieben phantastische Gute-Nacht-Geschichten“, die zu Goldmachern, Geistern und anderen Gestalten führen.

Aber was machen die Bücher mit mir? Eindeutig: Sie lassen mich nicht los! Nach einer Lesekindkarriere, die zu hohen Dioptrinwerten bei der Brille geführt hat, blieb mir fast nichts anderes übrig, als Germanistik mit Schwerpunkt Literaturvermittlung in Bamberg zu studieren. Lektor wollte ich werden, Fernsehregisseur bin ich allerdings geworden. Aber Gabi Strobel, die Lektorin der „Wilden Fußballkerle“, hat dann den Autor in mir entdeckt. Nach vielen Büchern in wunderbaren Verlagen hat mich eines traurig gemacht: dass gedruckte Bücher meist schnell wieder vom Markt verschwinden. Und das will ich ändern, nicht nur bei meinen eigenen Büchern. Gut, dass es den editionseigenen Zauberzylinder gibt. Er verwandelt tingeltangelfähige (also unterhaltsame) Manuskripte in E-Books – inklusive altmodischen Elementen wie Vor- und Nachsatzseiten. Denn die „edition tingeltangel“ ist ja e-bibliophil!

Los geht es also mit Geschichten, die es bereits in gedruckter Form (oder als Radiotexte) gab. Aber gut möglich, dass die „edition tingeltangel“ über kurz oder lang auch bislang unveröffentlichte Werke auf die E-Book-Bühne bringt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht, da mein Leben zwischen zu vielen Polen pendelt. Aber wünschenswert wäre: Nach einem späten Frühstück in aller Ruhe am aktuellen Manuskript schreiben oder das neueste E-Book in Form bringen. Gleichzeitig liebe KollegInnen für E-Book-Ausgaben ihrer Bücher begeistern und dazwischen via Blog, Twitter, Facebook und Pinterest die Welt umarmen. Und abends dann Interviewfragen beantworten. 😉

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Die Erkenntnis, dass es dank Kindle und Co. ohne großes Risiko möglich ist, selbst Bücher zu verlegen, hat mich geradezu elektrisiert. Gleichzeitig habe ich durch das stARTcamp in München Anfang April und die MAI-Tagung in Leipzig den Anstoß bekommen, mich in die Social Media zu wagen. Inzwischen denke ich: Diese Entwicklungen werden – zumindest für unser Metier – ähnlich umwälzend sein wie die Einführung des Computers. Auch damals gab es Leute, die meinten, das Arbeiten mit dem Computer müssten sie nicht mehr lernen …

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein neues Buch – und wieder kein Bestseller! Wer dazu eine Lösung gefunden hat, möge sich umgehend melden.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.edition-tingeltangel.de
editiontingeltangel.wordpress.com
Twitter (@e_tingeltangel)
Facebook (Edition Tingeltangel)
Pinterest (Chapeau)
www.endlwelt.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Thomas „Chapeau“ Endl

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