Sandra Schmidt: Deutsche Sprache – schwere Sprache

Als freiberufliche Lektorin ist Sandra Schmidt wohl an einem der besten Arbeitsplätze der Welt tätig: zu Hause. Sie ist stetig auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Autoren, die ihrem Manuskript den nötigen Feinschliff verpassen lassen wollen. Gerne berichtet sie uns hier regelmäßig von interessanten und eigentümlichen Begebenheiten aus ihrem Lebens- und Berufsalltag, die ihren Job immer wieder beleben und abwechslungsreich gestalten.

Grübelnd schaue ich auf den Bildschirm, neben mir die halbleere Kaffeetasse, die dort seit wohl einer Stunde unberührt steht. Das bemerke ich aber erst, als ich einen ekelhaft kalten bitteren Schluck davon im Mund habe. Bäh! Mein Blick schweift wieder zurück auf den Text. Was um alles in der Welt bedeutet dieses Wort? „Beschweiss“ steht dort geschrieben. Auch im Zusammenhang mit dem Kontext fällt es mir schwer, den Sinn zu erahnen. Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen und ich kann mir ein lautes Auflachen nicht verkneifen. Ja, das Sofa ist „beige-weiß“. Entzückend!

Das muss gleich aufgenommen werden in meine „Kalauer-Liste“, die ich bei dieser Gelegenheit schmunzelnd betrachte. Ein bisschen Spaß muss schließlich sein. Denn wenn die „Aporitschinels“ im „Pigiama“ durch den „Siberspace“ düsen, breitet sich „allmehlich“ ein breites Lächeln aus. Auch „Bequemtheit“ oder „Endteuchung“ werden aufgrund dieser „simspatischen“ Wortkonstruktionen „ausgetrixt“. Gut gelaunt wende ich mich wieder der Korrektur des Manuskripts zu …

Am Abend kommt mein Mann nach Hause und ich erkläre ihm, dass mein Auto am Nachmittag wiedermal erst nach unzähligen Versuchen ansprang: „Da muss irgendwas mit dem Zündschlauch nicht in Ordnung sein.“ Erst schaut er mich verdutzt an und dann entdecke ich ein verschmitztes Grinsen in seinem Gesicht. „Weißt du, wenn es am Zündschlauch liegen würde, hättest du ein echtes Problem, aber ich schaue gleich morgen mal, ob vielleicht das Zündkabel die Ursache ist.“ Nach einem kurzen Moment des Schweigens, in dem er mich immer noch belustigt betrachtet, können wir uns nicht mehr halten vor Lachen.

Tja, deutsche Sprache – schwere Sprache: Man lernt eben nie aus!

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