Gudrun Hopf: Diskussionsanstoß – Nur ein toter Autor ist ein guter Autor?

Ich kriege soooo einen Hals, wenn ich Sache lese wie: „Ich suche hier Branchen-Themen, keine Selbstdarsteller. Und schon gar keine Autoren.“ (Heiko Fischer in der Diskussion um Gundula Schikoras Interview.) Und nun macht gar ein Verleger einen Autor öffentlich zur Sau, ganz ohne erkennbaren Grund, offenbar einfach so aus einer Laune heraus. Ich weiß, es ist nicht mehr nachlesbar, weil der Betreffende seine Äußerungen gelöscht hat, aber ich habe sie gelesen und fühle mich erneut mit be- und getroffen.

Nein, ich will hier keinen Krieg „Autorinnen und -toren versus Buchbranche“ vom Zaun brechen. Ich frage bloß mal ganz unschuldig und naiv: Wenn WIR (die dusseligen Deppen mit der Lizenz zum Spinnen) EUCH keine Texte mehr liefern – was wollt ihr Branchenprofis denn dann noch lektorieren, verlegen, drucken, verkaufen, rezensieren, …? Buchbranche versus Autoren? Wie kurz gedacht ist das denn!

Dabei beziehe ich mich jetzt ausschließlich auf den Belletristik-Bereich. Sach- und Fachliteratur ist ein anderes Thema. Von da her komme ich ursprünglich. Dort gelten gänzlich andere Regeln. U.a. gehört es zum Aufgabenbereich einer Wissenschaftlerin, Publikationsmöglichkeiten für ihre Forschungsergebnisse zu finden; für die Publikation selbst erhält sie so gut wie nie ein Honorar, meist muss sie sogar im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Sponsorengelder für Druckkostenzuschüsse auftreiben.

Als Belletristik-Autorin im weitesten Sinn (egal ob ich nun „literarisch Wertvolles“ verfasse bzw. verfassen will oder einfach unterhaltsame „Trivialliteratur“) bin ich ganz klar so lange Amateurin, bis ich einen Verlagsvertrag habe. Und zwar einen, der mir zumindest Tantiemen zusichert. Profi-üblich ist zudem ein Vorschusshonorar.

Warum ich das weiß? Weil ich seit Jahren höchst interessiert alles mir Zugängliche aus der „Branche“ lese. Vor Jahren war das noch eher schwierig; die zunehmende Vernetzung macht es immer leichter, an die „richtigen“ Quellen zu kommen.

Genau das gefällt mir an „Ich mach was mit Büchern“. Es ist berufsstands-übergreifend, unhierarchisch und offen für Vorschläge. Jeder einzelne dieser Punkte ist bemerkenswert. Und ich würde mir wünschen, dass das so bleibt.

Meiner Meinung nach können auch die Profis der Buchbranche davon nur profitieren. Wer daran kein Interesse hat, ist vielleicht mit dem Börsenblatt besser bedient.

Von Autorinnenseite scheint es bisher so zu sein, dass ausschließlich wenig bis gar nicht Etablierte sich für die Initiative „Ich mach was mit Büchern“ interessieren. Das muss ja nicht so bleiben. Und wenn erst einmal ein paar in Publikumsverlagen vertretene Autoren sich hier vorgestellt haben, dann gibt es vielleicht auch nicht mehr soviel Häme für den „Nachwuchs“.

Kontakt zu Gudrun Hopf: http://www.facebook.com/gudrun.hopf

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