Alexander Schau: Wir sind eine Handvoll junger Menschen, die das Lesen lieben und ihre ehrliche Meinung weitergeben wollen

Alexander Schau
Alexander Schau

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin in erster Linie eins: Ein leidenschaftlicher Leser. Zusammen mit einigen Gleichgesinnten habe ich im Herbst 2007 das Projekt aufgelesen.org gegründet, eine Seite, auf der wir in unregelmäßigen Abständen Buchbesprechungen veröffentlichen. Genres und Aktualität sind dabei zweitrangig – wir stellen auch immer wieder ältere Titel vor, die uns so ganz nebenbei in die Hände fallen, denn die Qualität eines Buches hat ja nichts zu tun mit seinem Erscheinungsdatum.

Wichtig ist uns dabei vor allem die Nähe zum Leser. Wir sind keine Profis, sondern einfach eine Handvoll junger Menschen, die das Lesen lieben und ihre ehrliche Meinung an andere weitergeben wollen. Auf Augenhöhe sozusagen.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Kurz und knapp: Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ohne das Internet würde es unsere Idee in ihrer Form mit großer Sicherheit nicht geben. Der Austausch untereinander, der den Grundstein gelegt hat für das Projekt, hätte gar nicht erst stattfinden können. Null Interaktion, null Kommunikation. Wie denn auch? Wir wären nie auf die Idee gekommen, z. B. in Eigenarbeit ein Magazin drucken zu lassen.

Das Internet verändert unsere Arbeit nicht – es macht sie in gewisser Weise erst möglich und gibt ihr den Raum, den sie braucht.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das häufigste „Problem‟, das wohl jeder von uns hat, sind seine eigenen Texte: Was will ich verraten und was verschweigen? Was interessiert den Leser überhaupt? Und was mich selber? Wie sieht meine eigene Meinung zu einem Buch aus, wie formuliere ich sie und kann sie nachvollziehbar machen?

Manchmal habe ich beim Schreiben auch Angst davor, mich in nichtssagenden Satzhülsen auszuruhen, weil ich das Gefühl habe, immer wieder auf neue Weise formulieren zu müssen. Es ist wichtig, einen gesunden Mittelweg zu finden zwischen „Totaler Mist!‟ und „Das Beste, was ich je gelesen habe!‟; eine Meinung glaubhaft zu transportieren, ist unheimlich schwer.

(Diese Hürde birgt andererseits aber auch einen enormen Vorteil für uns: Jeder Kritiker hat seinen eigenen Stil, jeder legt Wert auf etwas anderes, und das heißt dann gleichzeitig Vielfalt.)

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter http://www.aufgelesen.org

Bildquelle: Alexander Schau
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

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