ORBANISMTHEMA: MOMENTE

Momente von Katja Böhne

In kurzen Interviews fragen wir Menschen, denen wir gern zuhören, an welche gelungenen Veranstaltungen sie sich erinnern und was diese ausgemacht hat. Unseren heutigen ORBANISM-Moment verbringen wir mit Katja Böhne, Leitung Marketing & Kommunikation bei der Frankfurter Buchmesse.

Privatpartys
Unsere Hochzeit. Wir hatten eine Country-Kapelle engagiert, deren Sänger und Banjospieler totalen Liebeskummer hatte. Er sang so herzzerreißend und der Rhythmus war so schnell und pulsierend, dass wirklich keiner auf seinem Stuhl sitzen blieb

Der 28. Geburtstag eines Freundes, der immer schon sehr speziell war. Eine Spezialität war seine glühende Liebe zur Rocky Horror Picture Show, eine andere, dass es eigentlich sein 7. Geburtstag war (weil 29. Februar). Irgendwann hat er seinen Traum dann wahr gemacht und wir haben in einer schloss-ähnlichen Location in Tübingen eine Rocky-Horror-Verkleidungsparty gefeiert.

Die Überraschungsparty für meinen Mann. Die Kinder haben so getan, als wär ihnen schlecht, also saßen mein Liebster und ich auf dem Sofa und er war traurig, dass wir nicht ausgegangen sind. Um Punkt halb neun klingelten rund 20 Gäste, die ich erst eine Woche zuvor überhaupt informiert hatte. Es gab Tanz im Wohnzimmer. Sehr lustig.

Meine Geburtstagspartys im April sind immer toll, weil alle Menschen Tulpen mitbringen und die Bude dann nach dem langen Winter so bunt und hoffnungsfroh aussieht. – Bei meiner letzten Geburtstagsfeier habe ich mich und die Kinder selbst überlistet. Normalerweise hasse ich Buffet-Vorbereitungen, aber dieses Mal war die Idee, lauter Nahrungsmittel aufzutischen, die in Sci-Fi-Filmen und -Büchern vorkommen. Die Vorbereitung war ebenso lustig wie der Abend, Highlight waren die Stormtrooper aus Marshmellows.

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Familienfeier
Bisschen makaber, die Geschichte. Meine Schwester feierte ihren Geburtstag in einer Ferme-Auberge in den Vogesen und hatte die nahen Verwandten eingeladen. Der Besitzer des Gasthofs hatte diesen gerade übernommen, die Party sollte die Premiere für sein Veranstaltungsangebot werden. Leider verhakte er gleich zu Beginn seinen Finger in der großen Spülmaschine und konnte ihn nicht mehr herausziehen. Den Rücken zum Publikum sprang er die ganze Zeit vor der Maschine hin und her und befehligte seine Küchenmannschaft mit Essens- und Getränkeaufträgen. Irgendwann kam dann auch die Feuerwehr die Serpentinen heraufgeschraubt, schickte uns alle aus der Gaststube und fräste den Mann aus der Spülmaschine heraus. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, dort legte man ihm einen Verband an, sodass er rechtzeitig zum Nachtisch-Befehligen wieder oben ankam. Wir haben dann noch viel gesungen (mein Mann und mein Schwager spielen hervorragend Gitarre und haben immer Liederbücher für alle dabei). Später musste dem Wirt der halbe Finger amputiert werden. Immer, wenn meine Schwester jetzt dort vorbeischaut, erinnern sie sich gemeinsam an das Fest. – Ansonsten gelingen Familienfeiern bei uns nicht so gut.

Konzert
In den 90ern habe ich in Amsterdam mit einer Freundin ein Fest namens Parade entdeckt. Die Idee dahinter bestand aus lauter kleinen Indie-Theaterproduktionen, die ca. 30-minütige Stücke in ihren eigens dafür entworfenen Bauten aufführten. Die Gruppen versuchten jeweils, den anderen die Zuschauer abspenstig zu machen, sodass ein irres und fröhliches Geschrei über das Gelände schallte. Ich erinnere mich an ein »Theaterhaus« in Form einer Ritterburg, das komplett aus Strohballen bestand. Toll war auch das Restaurant, das in einem Riesenrad untergebracht war. Immer wenn man unten vorbeikam, wurde einem das Essen in die Gondel geschleudert.

Branchenveranstaltung
Boah. Einmal auf der Versammlung der AG Publikumsverlage trat der Gründer der Waldvierter Werkstätten, Heini Staudinger, auf, führte uns ein in seine Philosophie (»geh, scheiß di net ao«) und animierte uns alle zum Singen.

Konferenz
Der Web Summit in Dublin war toll. 10.000 gut gelaunte junge Leute, die erst am Anfang mit ihrem Geschäft, aber völlig sicher waren, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Die Elevator Pitches, die an allen Ecken und Enden zu den nischenhaftesten Produkten abgehalten wurden, fand ich spitze.

Fotos: privat

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Momente von Tanja Kollodzieyski

In kurzen Interviews fragen wir Menschen, denen wir gern zuhören, an welche gelungenen Veranstaltungen sie sich erinnern und was diese ausgemacht hat. Unseren heutigen Orbanism-Moment verbringen wir mit @RolliFraeulein Tanja Kollodzieyski.

Privatparty
Ich bin leider nicht oft auf Privatpartys, weil mein Bekanntenkreis meist nicht barrierefrei wohnt. Letztens habe ich aber spontan bei der Party meiner Nachbarin mitgefeiert. Wir haben irgendwann ein Fantasy-Rollenspiel gemacht, bei dem ein paar von uns als Bürger die anderen als Werwölfe gejagt haben. Sowas kannte ich bisher nur aus einschlägigen Nerd-Serien, hat Spaß gemacht!

Familienfeier
Oweia, Familienfeiern sind ein heißes Eisen. Die Silberhochzeit meiner Eltern war gut, weil es kein Programm gab. Es ging nur ums Zusammensein.

Konzert
Im letzten Sommer habe ich Farin Urlaub zum ersten Mal live erlebt. Das war besonders, weil Die Ärzte eine der wichtigsten Bands waren, die meine Teenagerzeit geprägt haben. Sie gehören zu den wenigen Bands, die mit mir erwachsen werden durften – sowas muss gefeiert werden!

Branchenveranstaltung
Ich erinnere mich immer noch gerne an die RuhrYork15, ein Startcamp rund um Social Media und Kultur. Es war so vielseitig, sowohl an Menschen und Themen, aber auch an Formaten, in denen wir zusammengearbeitet haben, dass das Wochenende viel zu schnell vorbei ging.

Konferenz
Definitiv die re:publica 2015! Es war meine zweite und so viel besser, weil ich mich bei der ersten noch etwas verloren gefühlt hatte. 2015 habe ich mit so vielen Leuten geplaudert, dass ich nicht alle ausgewählten Sessions besuchen konnte – so soll es sein.

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Mein re:publica15-Lächeln (Foto: Andi Weiland)

Momente von Wibke Ladwig

In kurzen Interviews fragen wir Menschen, denen wir gern zuhören, an welche gelungenen Veranstaltungen sie sich erinnern und was diese ausgemacht hat. Unseren ersten Orbanism-Moment verbringen wir mit Social-Web-Ranger Wibke Ladwig.


Privatparty

Überraschende Gespräche, die in die Tiefe führten und den Abend von innen heraus zum Leuchten brachten. Gute Musik. Schummriges Licht.

Familienfeier
Eine ausweglose Situation, leicht überheizte Räume, genügend Essen und ausreichend Alkohol.

Konzert
The Avett Brothers im Gebäude 9 in Köln. Die sirrende Elektrizität zwischen Publikum und Band. Episch der Moment, in dem allen Anwesenden klar wurde, etwas Außergewöhnliches miteinander zu erleben. Unabhängig davon, ob man nun auf oder vor der Bühne stand. Ich bin immer wieder verblüfft, wie blass doch die Studioaufnahmen sind ohne ihre Präsenz und die besondere Atmosphäre damals.

Konferenz
Für mich ist nach wie vor die re:publica etwas Besonderes. Weil sie schon immer eine Veranstaltung war, die den Begegnungen und dem Zusammensein von Menschen ebenso viel Raum gab wie den eigentlichen Vorträgen. Insbesondere seitdem es den Affenfelsen gibt.

Branchenveranstaltung
Die ersten ein, zwei Buchcamps. Es gab ein enthusiasmiertes gemeinsames Interesse und die Freude an Auseinandersetzung, Lernen und Erforschen. Und kein Mensch trug sich mit der Frage, was das nun pekuniär bringen könnte. Ja, richtig: Ich blicke nostalgisch.

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Schöne Momentaufnahmen

OM_Wibke Ladwig bei Vortrag in Karlsruhe_Photographer Michael M. Roth_MicialMedia

OM_Wibke Ladwig mit Julia Graff Republica_Photographer Steffen Meier

OM_Wibke Ladwig Republica_Photographer Gudio Schwan
Von oben nach unten: (1) Bei einem Vortrag in Karlsruhe (Foto: Michael M. Roth, MicialMedia), (2) Mit Julia Graff im Innenhof der re:publica (Foto: Steffen Meier), (3) Noch mal re:publica (Foto: Guido Schwan)