Angebot für Lehrende: Paket ›Genuin digitale Literatur mit Gratis-PDF für Studierende

»Digitale Literatur ist etwas anderes als digitalisierte Literatur. Man kann zwischen dem Digitalen und dem Analogen übersetzen, aber jede Übersetzung ist Verlust und Bereicherung, Interpretation und Verfälschung. So wie jedes Medium seine eigene Wirklichkeit schafft, schafft auch das Digitale seine Realität. Das Digitale hat eine andere Wirklichkeit als das Analoge.« (0x0a)

Wir machen es Zukunft und Wissenschaft nicht unnötig schwer: Wer für Hochschul-Seminare, Oberstufenkurse o. Ä. für 70 EUR inkl. 10 EUR Versandpauschale einen Satz unserer Titel mit genuin digitaler Literatur kauft, bekommt unverkäufliche PDFs dazu, die im Unterricht uneingeschränkt an Studierende weitergegeben werden dürfen. Bestellungen bitte per Mail an Christiane Frohmann, cf at orbanism com.

 

Im Paket enthalten

Hannes Bajohr (Hg.): Code und Konzept. Literatur und das Digitale, Paperback, 264 S., Berlin: Frohmann 2016

Gregor Weichbrodt: Dictionary of non-notable Artists, Paperback, 132 S., Berlin: Frohmann 2016

Hannes Bajohr: Durchschnitt, Paperback, 260 S., Berlin: Frohmann 2016

Gregor Weichbrodt: I don’t know, Paperback, 248 S., Berlin: Frohmann 2016

Bajohr, Hannes: Monologue, Paperback, 128 S., Berlin: Frohmann 2016

Gregor Weichbrodt / Hannes Bajohr: Glaube Liebe Hoffnung, Paperback, 80 S., Berlin: Frohmann 2017

 

 

Zu den Texten

 

Code und Konzept. Literatur und das Digitale (de/en)

Dieser Band ist der Versuch, zwei Richtungen experimenteller Literatur dazu zu bringen, sich gegenseitig ihre Verbundenheit einzugestehen. Ihre Mittel und Methoden ähneln sich häufig, ihre Referenzgrößen und ihre Überzeugungen, was den Status von Text, Autor und Performance in der Literatur der Gegenwart angeht, sind oft dieselben. Und doch werden diese Richtungen, obwohl viele ihrer Vertreter_innen sich in beiden Traditionen zuhause fühlen und auf sie Bezug nehmen, selten zusammen gedacht. Die Rede ist vom konzeptuellen Schreiben einerseits und digitaler Literatur andererseits. Mit Beiträgen von René Bauer, Ranjit Bhatnagar, Andreas Bülhoff, Buffy Cain, J. R. Carpenter, Florian Cramer, J. Gordon Faylor, Peter Gendolla, Zuzana Husárová, Swantje Lichtenstein, Nick Montfort, Ingo Niermann, Allison Parrish, Vanessa Place, Jörg Piringer, Janja Rakus, Bertram Reinecke, Anna Seipenbusch, Holger Schulze, Daniel Scott Snelson, Beat Suter, Caitlin Quintero Weaver und Gregor Weichbrodt.

 

Dictionary of non-notable Artists (en)

Every day, people on Wikipedia nominate articles for deletion and discuss whether they should remain in the encyclopedia or not. It is done on a sub page called Articles for deletion. A frequent reason for exclusion of an entry is non-notability. After I had a look at those discussions, the article about my own person, Gregor Weichbrodt, ironically became nominated for deletion from the German Wikipedia, too. The anonymous person that put me on the list wrote Completely misses notability criteria for authors. Unsatisfying notability criteria for artists too. I wrote a Python script to download the contents of every articles for deletion-page from the past ten years and filter the results by artistic occupation. I saw that I was not alone in my fate and that there were many more non-notable artists in this world who also failed to meet the notability criteria. This book is dedicated to these artists.

 

I don’t know (en)

An algorithm combs through the universe of online encyclopedia Wikipedia and collects its entries. A text is generated in which a narrator denies knowing anything about any of these entries.

 

Durchschnitt (de)

[Alle Bücher aus Der Kanon. Die deutsche Literatur: Romane, herausgegeben von Marcel Reich-Ranicki, 20 Bände, Frankfurt am Main: Insel, 2002, als Textkorpus verwendet, mit Python dessen durchschnittliche Satzlänge bestimmt (18 Wörter) und alle Sätze anderer Länge aussortiert; alphabetisch geordnet.

Die enthaltenen Romane sind: Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers und Die Wahlverwandtschaften; E.T.A. Hoffmann, Die Elixiere des Teufels; Gottfried Keller Der grüne Heinrich; Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel und Effi Briest; Thomas Mann, Buddenbrooks und Der Zauberberg; Heinrich Mann, Professor Unrat; Hermann Hesse, Unterm Rad; Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß; Franz Kafka, Der Prozeß; Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz; Joseph Roth, Radetzkymarsch; Anna Seghers, Das siebte Kreuz; Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege; Wolfgang Koeppen, Tauben im Gras; Günter Grass, Die Blechtrommel; Max Frisch, Montauk; Thomas Bernhard, Holzällen.]

 

Monologue (en)

Who am I? Can any one answer ever be definitive enough to define oneself? Hannes Bajohr’s “Monologue” is a single, 120 page sentence attempt at answering this question. Culled from letters to Dan Savage’s queer advice column “Savage Love,” it creates a fraught song of myself, and a probing hyper-identity that contains multitudes.

 

Glaube Liebe Hoffnung (D-E-U-T-S-C-H-!-!-!)

Die Dresdner Pegida-Märsche, die ab Winter 2014 eine Größe annahmen, die bundesweit für ein plötzliches Aufschrecken sorgte, wurden ausschließlich über Facebook-Seiten organisiert und angekündigt. Dass die Verteidiger des Abendlandes gegen den Islam es mit den christlichen Tugenden nicht so genau nahmen, wussten die Veranstalter. Sie löschten die in den Kommentaren geposteten Ausfälle und Tiraden ihrer Anhänger in regelmäßigen Abständen zusammen mit ihren eigenen Postings.

Anfangs nur zu Dokumentationszwecken ließ 0x0a diese Kommentare durch ein Scraping-Script regelmäßig sammeln. Zwischen Dezember 2014 und Februar 2015 entstand so ein 282.596 Kommentare und 7.751.654 Wortformen umfassendes Textkorpus der Pegida-Sprache. Da es umfangreich genug war, um repräsentativ zu sein, stellten wir es zur weiteren Auswertung online.

Ob Pegida nur Ängste artikulierte oder Hass schürte, ob sich unter ihrem Namen besorgte Bürger austauschten oder Rachephantasien Luft gemacht wurde, mit welcher Häufigkeit, Wertung und Ausgewogenheit Wörter wie »Systemmedien«, »Lügenpresse«, »Gutmenschen« oder »Islamisierung« auftauchten, wann zu Besonnenheit und wann zu Provokation aufgerufen wurde – all das konnte man nun nachlesen, parsen, quantitativ analysieren. Das Korpus steht noch immer zum Download bereit und ist in verschiedene sozialwissenschaftliche und sozio-linguistische Analysen eingeflossen.

Man konnte das Korpus aber auch zur Grundlage künstlerischer Verarbeitung machen. Das ist der Versuch des Buchs Glaube Liebe Hoffnung. Indem die angeblichen Verteidiger des christlichen Abendlandes mit den paulinischen Tugenden von »Glaube, Liebe, Hoffnung« konfrontiert wurden, ließ 0x0a sie selbst artikulieren, was sie glauben, lieben und hoffen. (An den Facebook-Kommentaren wurden keine Änderungen vorgenommen und die Originalorthografie beibehalten.) Dass vor allem Deutschland geliebt wird, überraschte weniger als die Wünsche der Kommentatoren, die von Umsturz- und Gewaltfantasien bestimmt sind.

Glaube Liebe Hoffnung erschien im Februar 2015. Heute, zwei Jahre später, scheint eine Wiederveröffentlichung angebracht. Der Text ist zu einem Blick auf Anfänge und inzwischen selbst historisch geworden. Er dokumentiert den Beginn einer schleichenden Normalisierung. Dass Sprache eine Ideologie besitzt und ihr Gebrauch politische Positionen transportieren und verschleiern kann, hat Victor Klemperer in LTI anhand der Sprache des »Dritten Reiches« gezeigt. Heute ist es die Sprache Pegidas, die, in den Mainstream eingedrungen, auch ihre Positionen transportiert. Sie wird von Politikern verbreitet und von der Presse nachgesprochen. Es steht nicht zu erwarten, dass sie so schnell wieder verschwindet. Diese Sprache in ihrem ursprünglichen Kontext zu zeigen, sie zu denormalisieren und daran zu erinnern, was in ihr gefordert und welche Weltsicht mit ihr artikuliert wird, ist Anliegen dieser Neuauflage.