Für Europa und gegen die Angst publizieren. Das vom Goethe-Institut bei Frohmann herausgegebene E-Book ‚European Angst‘

Das Konferenz-E-Book European Angst. A Conference on Populism, Extremism and Euroscepticism in Contemporary European Societies ist nach Hausbesuch das zweite Projekt, das als Kooperation des Goethe-Instituts und des Frohmann Verlags erscheint. Für mich als Verlegerin hat sich damit erneut ein Wunsch erfüllt, denn ich glaube schon lange fest an die günstige Verbindung etablierter Institutionen und ambitionierter Digitalverlage. – Die Neuen und Kleinen sind beweglicher und sehen weiter nach vorne, die Alten haben mehr Ressourcen,  Wissen und Erfahrung. Folglich sind wir zusammen besser als allein. Nicht durchgehend, denn manchmal projiziert auch man auch zu viel in sich selbst oder den Anderen. Aber im Großen und Ganzen sowie in vielen Details doch sehr.

Nicht anders stellt sich mir die Situation Europas im Hinblick auf die vielen Menschen dar, die neu hinzugekommen sind. Zunächst einmal ist diese Gegenwart der Neuen ungewohnt, vielleicht erzeugt sie auch ein bisschen Unbehaglichkeit bei den Alten, aber neben einigen unleugbaren Gefahren bieten sich durch sie vor allem Chancen – Möglichkeiten, dazuzulernen, Dinge neu zu sehen, zu korrigieren, sich gemeinsam miteinander zu verändern. In den letzten drei Jahren habe ich, haben viele Menschen gemerkt, dass man sich nicht nur in Bezug auf die Geflüchteten der Jetztzeit als die Alten entpuppt hat. Als die Alten, die Europa lieben, aber mit Nationalismus nichts anfangen können. Offensichtlich, dies haben die Entwicklungen der letzten Jahre gezeigt, wurde in Westeuropa und im früheren Westdeutschland bislang auch versäumt, erfolgreich mit den älteren Neuen aus der Zwischenzeit der Neunziger- und Nullerjahre zu kooperieren.

Es gilt jetzt also, verschiedene Generationen und Kulturen von Neuen und Alten miteinander ins Gespräch zu bringen. Dies hat die von Susanne Höhn und Cristina Nord am 6. und 7. Dezember 2016 in Brüssel organisierte Konferenz European Angst versucht und in vielen Aspekten erreicht – besonders positiv fand ich die Gleichsetzung von Studierenden und prominenten Vortragenden auf der Bühne –, weitere Notwendigkeiten, wie etwa das Einbinden einer nicht so akademisch geprägten Jugend – sind in ihrem Verlauf deutlicher und beschreibbarer geworden, wodurch sie besser zum Gegenstand weiterer Beschäftigung werden können.

Das nun in in verschiedenen Formaten erscheinende E-Book und Buch European Angst wird diese positive Tendenz multipel verstärken können. Das vom Goethe-Institut gratis zur Verfügung gestellte PDF sorgt für internationale und barrierelose Zugänglichkeit der Texte, das ePub und das mobi bringen die Texte innerhalb der vielstimmigen Digitalliteraturcommunity zum Zirkulieren, und die Mitte des Monats erscheinende Hardcover– und Taschenbuchausgabe schließen auch diejenigen ein, die dem Digitalen nicht so recht über den Weg trauen. Damit performt European Angst als Publishingprojekt, was auch inhaltlich seine Botschaft ist: Alte und Neue zusammenzubringen, möglichst alle zu adressieren – nicht belehrend, nicht apodiktisch, nicht kategorisch, sondern gesprächsbereit im jeweils passenden Stil und Ton.

Ich wünsche uns dafür viel Erfolg.

 

Christiane Frohmann, Verlegerin, Berlin

 

 

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