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Nicht, dass ich es eilig hätte – ganz im Gegenteil. Aber irgendwann kommt die letzte Stunde und damit es dann keine Mißverständnisse gibt oder gar Streitereien um dunkles Holz und teure Messingbeschläge, um seidene Kopfkissen oder preiswerte Varianten aus Kiefernimitat, damit also niemand sagen kann: „Wenn wir das nur früher gewußt hätten!“, hier eine verbindliche Anleitung für euch:

Ich möchte in einem Schokoladensarg beerdigt werden.

Es muß dunkelglänzende Zartbitter-Schokolade sein. Nicht Vollmilch-Nuss-, nicht Kinderschokolade oder noch schlimmer Schokolade mit Erdbeerjoghurtfüllung. Auf gar keinen Fall kalorienreduzierte Diätschokolade.
Die Wände müßen natürlich schon stabil sein, der Boden soll sich schließlich nicht gleich peinlich durchbiegen bei meinem letzten Mahl.
Außen am Schokosarg sollen Trüffel kleben. Abwechselnd helle Champagnertrüffel mit sahnigperlender Füllung und pechschwarze Herrentrüffel mit cremigem Espressoschaum. Auf dem Deckel soll der Konditormeister die komplette Palette schokoladiger Geschmacksrichtungen platzieren: von „Chilipfefferschar“ bis „Extradoppeltsüß“. Und meinen vollständigen Vor- und Zunamen möchte ich aus russischem Brot mit Puderzucker aufgeklebt wissen. Das könnten vielleicht meine Enkelkinder übernehmen, wir buken ja immer so gern zusammen. Kunstvolle Ornamente aus Cognacbohnen runden das geschmackvolle Bild ab. Ein kleiner Schokoladenbrunnen plätschert am Fußende. Dort hinein tunkt ihr dann frische Früchte – je nach Jahreszeit Erdbeeren oder Mandarinenstückchen –, laßt euch alles langsam auf der Zunge zergehen.
Könnte ich noch, würde ich euch füttern.

Von innen soll mein Sarg ebenfalls geschmackvoll eingerichtet sein.
Ein Kopfkissen aus Luftschokolade, eine Decke aus fein gesponnenem Zucker mit Rosen aus Marzipan, und zwischen die Zehen stopft mir bitte Geleebananen. Über meinem Körper hängen blutrote Kirschen, hauchdünne Pfefferminztäfelchen und bunte Fruchtgummischlangen. Auf meine Wangen tropft dickflüssiger Türkischer Honig, betörend duftendes Karamel kriecht mir in die Mundwinkel.
Jeder darf lecken, lutschen und knabbern am Sarg. Aber kommt mir dabei nicht zu nahe, ihr wißt, ich mag das dann nicht mehr.
Mein Leben soll sinnlich beschlossen werden, ich möchte einen guten Geschmack hinterlassen.
Und wird der Sarg schließlich versenkt in die einsame Erde, sprüht mir letzte Grüße mit Sahne hinterher.
Wenn ich dann so gemütlich und in aller Seelenruhe genüßlich vor mich hinmodere, werden Würmer, Käfer und fette Larven sich voller Begeisterung auf meine nahrhafte Hülle stürzen. In Windeseile wird sich in Untererde herumsprechen: Hier ist der süße Tod begraben.

Auguste von Blau

 

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