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Ich weiß längst selbst nicht mehr, wovon und woher und worüber es geht; ich weiß nicht mehr, wo die Energie herkommt und die Beharrlichkeit und die Stetigkeit dieser Gefühle, die sich dann immergleich ins fastidentische Format herausartikulieren und in so einem Dokument landen, als würden sie abgesetzt werden, aber dann eben doch direkt und immer wieder nachwachsen. Ich weiß nicht mehr, um wen es alles geht, außer um mich, und ich weiß nicht mehr, wer hier schreibt, ich bin’s nur manchmal. Die Kryptik überfordert mich, ich muss mir Spuren und Hinweise geben, um mich an mich zu erinnern, und an dich und uns. Ich verstehe mich am nächsten Tag genauso wenig wie ihr und vor allem du, ich verstehe mich am nächsten Tag genauso wenig wie euch und vor allem dich, und ich verstehe mich sowieso eher selten mit mir.

Die Taktik aber ist: abstrakt werden, dem Meta-Sinn auf der Spur einfach noch viel nebliger und bildhafter werden, unkonkreter, fluffiger und wattiger, – bis der Turm kippt, bis das Innen nach Außen umklappt, respektive umgekehrt, bis das alles aus sich heraus abkackt und explodiert. In Kontext diffundieren, verdünnen, abstrakt as fuck bis zur Auflösung, Kopf D60. Exakt dann werd‚ ich mich erwischt haben und vollständig verstehen und verstanden haben und es wird hell und laut und unfassbar gut und tragisch und glitzernd und emotional und deutlich und offensichtlich und KLAR, und dann wird es das logisch naheliegende, ganz pragmatische Ende sein von allem.

Aber weil ich neugierig bin und sehnsuchtsvoll, weil ich ein Schisser bin und emotional, weil ich verkopft bin und gespannt, weil ich noch überhaupt gar nichts verstehe von mir und weil mir mein Kopf im Weg und auf dem Weg steht und liegt, weil es Musik gibt und Wahrnehmungen und Vermissen und Spannung und Begeisterungsfähigkeit und Drama und Herz und Schnaps — wird das hier vermutlich noch eine Weile so weitergehen, bevor es knallt. It’s THAT easy. Phantomherz.

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Was vermutlich falsch ist: die Annahme, man würde letzte Momente mehr schätzen, hätte man in jenem Augenblick schon gewusst, dass es ein letztes Mal ist.

Was vermutlich eigentlich ist: Wenn du es weißt, lädst du den letzten Moment mit Erwartung auf und strengst dich so sehr an, Bedeutung und Emotion reinzupacken, Dinge behalten zu wollen und Details abzuspeichern, dass du dabei das eigentliche Wahrnehmen vergisst und dich später nur noch an das Bohei erinnerst, das du inszeniert hast.

Was vermutlich richtig ist: drauf geschissen. Du wunderst dich später höchstens noch, woran du dich erinnerst und woran nicht, — respektive lernst das, woran du dich nur noch erinnerst, eben zu schätzen. Das reicht vollkommen und ist angemessener diesen eigentlich wichtigen Momenten gegenüber.

Was vermutlich gilt: all das, nicht nur für Beziehungen, sondern auch für Tode, Schulabschlüsse, Umzüge, Abschiede, Festplattencrashs, letzte Zigaretten oder Schritte.

Wie man das vermutlich kürzer sagen könnte: lass laufen und wirf endlich die Kamera weg.

(Weg ist das Ziel.)

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»Es genügt manchmal schon zu wissen, dass es so etwas gibt«, sagte sie, und ich war anderer Meinung und nickte.

 

Frank Lachmann

 

 

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