Das Ende der Frauenliteratur

Wenn ihr euch darüber ärgert, dass Frauen* im deutschsprachigen Literaturbetrieb 2017 immer noch meist die Backgroundsängerinnen geben:

  1. Kauft und lest mehr Bücher** von Autorinnen.
  2. Empfehlt mehr Bücher von Autorinnen.
  3. Ordert, wenn ihr Buchandlungen habt oder in Buchhandlungen arbeitet, mehr Bücher von Autorinnen, ladet häufiger Autorinnen zu Lesungen und Diskussionen ein.
  4. Besprecht, wenn ihr in Redaktionen arbeitet, gern auch kritisch – Gleichstellung geht so – mehr Titel von Autorinnen.
  5. Nominiert, wenn ihr in der Position dafür seid, mehr Bücher von Autorinnen für Preise.
  6. Integriert, wenn ihr Lehrende seid, mehr Titel von Autorinnen in Seminarpläne.
  7. Verlegt, wenn ihr Verlage habt oder in Verlagen arbeitet, mehr Bücher von Autorinnen.
  8. Haltet so lange die Luft an, bis euch zehn Autorinnen eingefallen sind, die ihr gern lest.
  9. Lest bei Project/Projekt Gutenberg einen gemeinfreien Text von Autorinnen aus dem 18. und 19. Jahrhundert nach dem anderen, bis ihr nicht mehr glaubt, Frauen hätten damals halt nichts Gutes geschrieben.
  10. Vergesst den verächtlichen Scheißdrecksmarketingbegriff »Frauenliteratur«; denkt, schreibt, sagt einfach »Literatur«.

All das hilft mehr als Hadern. Irgendwann werden wir uns dann alle daran gewöhnt haben, gute Bücher von Autorinnen nicht mehr als Abweichung von der Regel anzusehen*** – sie sind es nämlich nicht.

 

 

* Sehr gern bei entsprechender mentaler Geschmeidigkeit sofort auf alle anderen Personen/gruppen ausdehnen, die ebenfalls nicht ausreichend literarisch hörbar sind.

** Gemeint sind hier und im Folgenden ausschließlich Bücher, von deren Qualität man persönlich wirklich überzeugt ist bzw. für die man sich, wenn man sie noch nicht kennt, wirklich interessiert; das gegenseitige Friends-Empfehlen tut der Literatur ja auch überhaupt nicht gut.

*** Wenn du denkst, dass dies doch längst nicht mehr zutrifft:
11. Eigne dir faktisches, nicht gefühltes Wissen über das Genderverhältnis bei Literaturpreisen und -besprechungen an, denn Preise und Besprechungen sind ja Marker der öffentlichen Wertschätzung.

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.