Veranstalterinterview: TINCON – das Konzept für Jugendliche funktioniert

Der ORBANISM AWARD (formerly known as Virenschleuder-Preis) beschäftigt sich mit guten Veranstaltungen und hat daher einige Fragen. Etwa an die TINCON, mit der 2016 ein völlig neues und einzigartiges Projekt gestartet ist: Eine Gesellschaftskonferenz von, für und mit Jugendlichen zwischen 13 und 21 Jahren.

Mit Fokus auf Medienkompetenz und Digitalisierung sind die Themen der TINCON: Code, Technik & Games, Bildung & Science, YouTube, Kultur, Musik & Lifestyle, Politik & Gesellschaft. Gründer der TINCON und des TINCON e.V. sind Tanja und Johnny Haeusler , die auch zum Gründungsteam der re:publica gehören, die sie seit zehn Jahren mitveranstalten und die als erwachsenes Vorbild der TINCON gesehen werden darf. Beide Veranstaltungen agieren jedoch unabhängig voneinander. Die beiden haben außerdem den Elternratgeber Netzgemüse geschrieben und sind Eltern von zwei Söhnen.

Was war die Idee und der Impuls zur Gründung der TINCON?

Der erste Impuls war natürlich unsere Arbeit an der von uns mitbegründeten re:publica, bei der junge digitale Themen (wie YouTube vor einigen Jahren) oft große Überraschung bei den erwachsenen Gästen auslösten. Wir stellten fest: Das Internet eines 15-jährigen Menschen ist ein völlig anderes als das eines Erwachsenen. Also könnte eine Gesellschaftskonferenz für Jugendliche und ihre ganz eigenen Themen sehr sinnvoll sein.

Da wir im Rahmen der Arbeit an unserem Elternratgeber „Netzgemüse“ und bei den Lesereisen danach außerdem feststellen mussten, das zwar alle mehr Medienkompetenzbildung für Jugendliche fordern, aber kaum jemand etwas unternimmt, haben wir 2015 beschlossen, eine Art re:publica für Teenager zu gründen. 2016 fand dann die erste TINCON statt: Die teenageinternetwork convention.

Ihr seid ja als re:publica-Gründer erfahrene Veranstalter. Gab es besondere Herausforderungen für dieses Event?

Oh ja! Die rp entstand aus einer Online-Szene heraus, von der wir als Bloggerinnen und Blogger selbst Teil waren. Für die TINCON mussten wir uns also jugendlichen Rat in Form eines Jugendbeirats holen. Zudem gibt es im jungen Bereich wenn überhaupt sehr viele verschiedene Szenen. YouTuber zum Beispiel haben kaum etwas mit Blogs zu tun, Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer twittern eher selten, und so weiter – das macht es nicht leicht, möglichst viele jungen Menschen zu erreichen.

Welches Feedback habt ihr zu den Veranstaltungen bekommen? Und von wem?

Das Wichtigste war, zu erleben, dass das Konzept funktioniert. Jugendliche lieben es genauso wie Erwachsene, zu debattieren, spannenden Leuten zuzuhören und sich miteinander auszutauschen. Außerdem sind wir sehr glücklich, dass wir auch bei der TINCON eine entspannte und freundliche Atmosphäre kreieren konnten, wie man es von der rp gewohnt ist.

Und 2017 haben wir mit der U21-Bühne einen Ort geschaffen, der komplett von Jugendlichen kuratiert und geplant wurde und bei dem auch nur Teenager auf der Bühne standen. Dass dann davor andere junge Menschen sitzen, die gebannt zuhören und diskutieren – das war ein tolles Erlebnis, an dem die jungen Sprecherinnen und Sprecher enorm gewachsen sind.

Was habt ihr aus den letzten zwei Jahren gelernt? Wird es Veränderungen geben?

Dauernd … im Moment planen wir regelmäßige kleinere Workshops, also auch außerhalb der TINCON-Events, und wir denken darüber nach, wie die TINCON noch mehr online stattfinden kann. Im Juni hatten wir rund 1.000 Gäste vor Ort (in Hamburg im Mai sogar 1.500), aber eben auch nochmal bis zu 1.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Livestream auf Twitch. Daraus muss man also mehr machen.

Credits: Gregor Fischer

Was wäre euer Wunsch, was Veranstaltungs-Angebote an die jugendliche Generation angeht?

Es gibt bereits viele Angebote für Kinder unter zehn Jahren, es fehlen aber noch jede Menge für Teenager. Wenn man 16 ist, möchte man vielleicht lieber nicht mit Siebenjährigen programmieren lernen …

 

Die Fragen zur TINCON stellte Christian de Vries, die Antworten kamen von Johnny Haeusler. Herzlichen Dank!

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