Julia Bousboa: #weltkulturstattleitkultur als erster 24-Stunden-Buchmarathon

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Die Kielerin Julia Bousboa ist Literaturwissenschaftlerin, Mutter von drei Söhnen und arbeitet hauptberuflich in der Schulsozialarbeit. Seit Mai 2016 betreibt sie mit viel Energie Juli liest – Das fröhliche, subjektive und fröhlich-subjektive Blogazine für Familien, die gerne lesen.

Beschreibung der Maßnahme

Auf Juli liest spielt die Rubrik „Bücher gegen Vorurteile“ eine wichtige Rolle.

Am 21. Mai 2017, anlässlich des von der Unesco ausgerufenen „Welttags der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung“, der die Werte kultureller Vielfalt besser verständlich machen soll, startete Julia Bousboa unter dem Hashtag #weltkulturstattleitkultur einen Bücher-gegen-Vorurteile-Marathon und stellte vierundzwanzig Stunden lang zu jeder Stunde ein Buch aus der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur vor, das entweder Vielfalt und Tolerenz zum Thema hat oder auch den Blick auf fremde (Welt-) Kulturen öffnet.

Auslöser war die Wut über den zunehmenden Rechtsruck in Deutschland, der auch vor den großen Parteien nicht Halt macht:

„Woher kommt diese Angst vor dem Anderen? Was wird der eigenen Kultur weggenommen, wenn andere ihre Kultur mitbringen? Es scheint, als würde ein großer Teil der Menschheit denken, dass das Boot – diese furchtbare Metapher angesichts der maroden Schlepperboote – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell voll sei. Nein, danke. Wir haben unsere eigene Kultur. Wir geben uns die Hand und wir sind nicht Burka und wenn jemand kommt, der das anders macht, müssen wir darauf verzichten, denn für beides nebeneinander ist hier kein Platz!

Warum denn eigentlich nicht?

Ich sehe ein, dass wirtschaftliche Mittel ihre Grenzen haben (wobei man bei einem so reichen Land wie Deutschland vielleicht eher über gerechte Verteilung sprechen sollte, doch das macht ja schon die SPD, also lassen wir diesen Punkt hier aus) – aber warum sollten kulturelle Gepflogenheiten begrenzt sein? Warum sollten wir Deutschen damit aufhören müssen, uns andauernd die Hand zu schütteln, wenn sich neben uns zwei Menschen mit Küsschen links, Küsschen rechts begrüßen?

Kultur ist doch kein Suppenteller, in der Händeschütteln und Leistungsdenken (Gott, was sind wir Deutschen sympathisch!) und Goethe und Schiller und Weihnachten überschwappen und verloren gehen, weil jemand noch ein paar Kopftücher und Froschschenkel und Essstäbchen und vielleicht auch Chakalaka hineinwirft. Kultur ist nicht starr, sie ist es noch nie gewesen.

Das lateinische Ursprungswort „cultura“ bedeutet „Pflege des Körpers und des Geistes“ – wie sollten Körper und Geist nachhaltig gepflegt werden, wenn man nicht über den eigenen Tellerrand hinaus schaut? Seit jeher wurden Wissen und Kultur durch Migrationsprozesse weiterverbreitet, vervielfältigt, weiterentwickelt – wozu es führt, wenn eine Kultur sich dabei als die einzig wahre erlebt und alle anderen vernichten will, haben wir Gott sei Dank seit siebzig Jahren nicht mehr erlebt. Andere Völker haben dieses Glück leider nicht.“

(Der gesamte Artikel ist hier nachzulesen.)

Ziel der vierundzwanzigstündigen Aktion war es, als Buchbloggerin aufzuzeigen, dass Bücher nicht nur hübsche Cover und ästhetische Illustrationen haben, sondern wirklich die Welt verändern können, denn: Lesen bildet! Vor allem in Hinblick auf die nachfolgenden Generationen, die zwangsläufig in einer multikulturellen Welt aufwachsen, sollte man so früh wie möglich damit anfangen. Deshalb wurden auch in darauffolgenden Woche zwei Buchpakete voller Bücher gegen Vorurteile verlost, damit deren Gewinner jedem, der ihnen mit Aussagen voller Vorurteile begegnet, ein Buch in die Hand drücken konnten.

Inwiefern ist/war die Maßnahme erfolgreich oder neuartig?

#weltkulturstattleitkultur ist der erste 24-Stunden-Buchmarathon zu einem festen Thema und hat die Welt der Buchblogs mit der Politik verbunden. Bei der Aktion ging es konkret darum, Bücher vorzustellen, die verschiedene Perspektiven auf Kultur aufzeigen und den eigenen Horizont in vielerlei Hinsicht erweitern. Die Fülle der kulturellen Vielfalt wurde auch durch die Fülle der Buchtipps verstärkt. Viele schauen nur bei den Problemen genau hin – siehe TV-Duell – und so werden die vielen positiven Aspekte von Migrationsprozessen in den Hintergrund gedrängt.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Die Bücher gegen Vorurteile werden auch weiterhin großen Raum bei Juli liest einnehmen. Für den nächsten Tag der Weltkultur ist eine neue Aktion geplant, um unermüdlich gegen Vorurteile anzulesen.

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