Katharina Winkler im Programm:

Rauriser Literaturtage 2017

Es mag eine “verrückte” Idee gewesen sein, in den frühen siebziger Jahren am Fuße mächtiger Dreitausender eine Begegnungswoche durch und mit moderner Literatur aus dem gesamten deutschen Sprachraum abzuhalten. Nicht erst im Wissen um die höchst ereignis- und erfolgreichen mehr als vier Jahrzehnte der Rauriser Literaturtage seither erscheint diese Idee längst als geradezu logisch. An diesem literarisch-menschlichen Kraftort Rauris ist es immer wieder fast magisch zur Verbindung von vor- und nachlesenden Menschen rund um altehrwürdige Wirtshaus- und Stubentische gekommen, mit nichts als Literatur als Katalysator. Den Autorinnen und Autoren der Gegenwart und Zukunft und ihren Werken auf solch unnachahmliche Weise Heimat auf Zeit geschenkt zu haben, darf als höchst bemerkenswerter und auch dankenswerter Beitrag des „Phänomens Rauriser Literaturtage“ zu einer nachhaltig lebendigen Auseinandersetzung mit Literatur angesehen werden.

Dr. Wilfried Haslauer, Landeshauptmann von Salzburg

Erlanger Poetenfest 2016

Zum Auftakt des 36. Erlanger Poetenfests überträgt Bayern 2 die „Nacht der Poesie“ live aus dem Markgrafentheater (25.8., 20:00 Uhr) mit Martina Hefter, Franziska Holzheimer, Anja Kampmann, Silke Scheuermann und Julia Trompeter. Der zweite Poetenfest-Abend (26.8., 19:30 Uhr) ist der Buchpremiere von Raoul Schrotts Epos „Erste Erde“ gewidmet. In der „Langen Nacht der Ersten Erde“ werden neben Raoul Schrott und seinem Gesprächspartner Michael Krüger renommierte Naturwissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen über die Entstehung der Welt sprechen. In einem Autorenporträt (27.8., 20:30 Uhr) stellt Andreas Platthaus mit Ilija Trojanow einen Schriftsteller vor, dessen Projekte von der Politik in Diktaturen bis zur eigenen Erprobung in den 80 olympischen Disziplinen reichen. Das Porträt International (28.8., 20:00 Uhr) ist dem schwedischen Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Aris Fioretos gewidmet, dessen Biografie zwischen Ländern und Wirklichkeiten ihre Fäden spinnt. Mit einem politischen Anliegen kommt die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller nach Erlangen (28.8., 17:00 Uhr): Wie kann man die historischen Erfahrungen über Flucht und Exil für die gegenwärtige Diskussion um Flüchtlinge in Europa und deren Integration nutzbar machen?

An den langen Lesenachmittagen im Schlossgarten (27. und 28.8.) werden im halbstündigen Rhythmus aus ihren Neuerscheinungen vortragen: Shida Bazyar, Emma Braslavsky, Mara-Daria Cojocaru, Kurt Drawert, Gerhard Falkner, Joshua Groß, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Abbas Khider, Katja Lange-Müller, Isabelle Lehn, José F. A. Oliver, Sharon Dodua Otoo, Connie Palmen, Teresa Präauer, Tilman Rammstedt, Eberhard Rathgeb, Ulrike Almut Sandig, Silke Scheuermann, Arnold Stadler und Katharina Winkler. Ihre Kinder- und Jugendbücher präsentieren Norbert Bohnsack, Andreas Collin, Mario Fesler, Antje Herden, Anja Hilling mit Simona Sabato, Bob Konrad, Ute Krause und Valija Zinck. Zu Gast in der Dreizehnten Erlanger Übersetzerwerkstatt sind Sharon Dodua Otoo, die Esterházy-Übersetzerin Terézia Mora, José F. A. Oliver, Klaus-Jürgen Liedtke, der Schotte Iain Galbraith, Brigitte Döbert, Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel sowie anlässlich des 150. Todestags von Friedrich Rückert die Orientalistinnen Claudia Ott und Wiebke Walther. Deborah Feldman hat in den USA mit „Unorthodox“ einen Bestseller vorgelegt, der jetzt auch auf Deutsch erschienen ist. Darin erzählt sie von ihren Erfahrungen mit religiösem Fanatismus. Beim Aktuellen Podium „Die Türkei zwischen den Extremen“ diskutieren Autoren und Journalisten die gegenwärtige Lage. Die Taschenbücher der 1950er-Jahre sind Thema eines Gesprächs, an dem der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes Reinhard Klimmt teilnimmt. „Europa erzählen“ lautet der Titel der traditionellen Sonntagsmatinee mit Dieter Bachmann, Aris Fioretos, Martin Mosebach, Wilfried F. Schoeller und Ilija Trojanow. In der Moderation von Alexander Kissler soll der Frage nachgegangen werden, wie die „große Erzählung Europa“ gerettet werden kann. „Mobbing in Literatur und Leben“ ist Gegenstand eines Gesprächs mit Astrid Frank, Brigitte Hamacher und Wolfgang Kindler. Die destruktive Gewaltspirale, wie sie bei vermeintlich harmlosen, doch permanenten Zurücksetzungen und Hänseleien entsteht, birgt ein hohes Risiko.

Wie recherchiert, schreibt, konstruiert man Biografien? – Eine Werkstattschau beschäftigt sich mit drei neuen Büchern von Peter-André Alt, Simon Elson und Deborah Vietor-Engländer über Sigmund Freud, Max J. Friedländer und Alfred Kerr. Bei der Live-Sendung des Bayern 2-Büchermagazins „Diwan“ sind Emma Braslavsky, Reinhard Kaiser-Mühlecker, José F. A. Oliver und Arnold Stadler zu Gast. Wilfried F. Schoellers Franz Marc-Biografie zeigt den Menschen hinter dem Klischee des Tiermalers und Verena Auffermann zeichnet in ihrer Henry James-Biografie das Porträt eines modernen Autors. Birgit Weyhe recherchiert in ihrem mit dem Max und Moritz-Preis 2016 ausgezeichneten Comic „Madgermanes“ eine kaum bekannte Fußnote deutsch-mosambikanischer Geschichte und Hans Hillmans „Fliegenpapier“ verwandelt sich in ein multimediales Comic-Konzert. Auf Einladung der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur entwickelt Gunter Gebauer im Gespräch mit Helmut Böttiger eine „Philosophie des Fußballs“. Einen künstlerischen Beitrag zur Flüchtlingsdebatte liefert das Künstler-Kollektiv Rimini Protokoll: Daniel Wetzel hat mit einer Gruppe männlicher Jugendlicher, die aus dem Irak, Afghanistan und Syrien geflohen sind, in ihrer Unterkunft in Athen die Performance „Evros Walk Water“ erarbeitet.

Ein Programmschwerpunkt ist anlässlich seines 150. Todestags dem Dichter, Übersetzer und Orientalisten Friedrich Rückert gewidmet, der von 1826 bis 1841 in Erlangen lehrte: Das Stadtmuseum zeigt die Ausstellung „Der Weltpoet“, eine Gesprächsrunde fächert das literarische Werk Rückerts auf, das so glaubwürdig für den interkulturellen Dialog steht, wie kaum ein anderes seiner Zeit. Claudia Ott, bekannt für ihre Übersetzungen aus „Tausendundeiner Nacht“, lässt in ihrem Lesekonzert „Liebe, Tod und Heldenmut“ Rückerts Übersetzungen lebendig werden. „Fisimatenten – Bilder, Bücher, Skulpturen“ ist der Titel einer Ausstellung von Ulrich Tarlatt. Eine weitere Ausstellung zeigt Zeichnungen von Birgit Weyhes „Madgermanes“ und die Druck & Buch präsentiert wiederum bibliophile Kunstwerke von Kleinverlagen. In den Lamm-Lichtspielen sind zwei Literatur-Filme zu sehen: „Die Geträumten“ über Ingeborg Bachmann und Paul Celan und „Agnes“, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Peter Stamm. Musikalisch umrahmt wird das 36. Erlanger Poetenfest von der Pianistin und Komponistin Ulrike Haage.

Die Moderatorinnen und Moderatoren des Poetenfests sind Maike Albath, Verena Auffermann, Martina Boette-Sonner, Helmut Böttiger, Michael Braun, Alexander Kissler, Michael Krüger, Dirk Kruse, Adrian La Salvia, Andreas Platthaus, Wilfried F. Schoeller, Hajo Steinert, Florian Felix Weyh und Cornelia Zetzsche.

Bei Regen finden die für den Schlossgarten geplanten Veranstaltungen im Redoutensaal (Hauptpodium), im Markgrafentheater Oberes Foyer (Nebenpodium I), im Theater in der Garage (Nebenpodium II), im Palais Stutterheim (Junges Podium Lesungen und Bilderbuch-Lesewiese) und im Markgrafentheater Unteres Foyer (Lyrische Brückenschläge) statt. Die Druck-Werkstatt bleibt bei Regen im Zelt im Schlossgarten.