Schlagwort: Hannes Bajohr

The Publishing Sphere – Ecosystems of Contemporary Literatures

Publishing is returning to its original meaning: to go public. A two-day program of performative live publishing will celebrate this emerging sphere with talks and conversations, readings, sound performances, interventions, and more. Radio Brouhaha, launched at the event, will livestream [voicerepublic.com] the final evening, capturing sounds of ambiance and infrastructure.

The traditional idea of the solitary author in direct contact with his editor, and speaking in absentia to an anonymous public is obsolete. In recent years an abundance of literary practices – performances, public readings, sound and visual work and new public spaces– have emerged, forming a vibrant artistic and political “publishing sphere.” If it is true that the imaginary of modern literature is constitutive of the fantasy of a “good” public sphere of democracy then we must find what kind of societies are emerging from the publishing sphere we are faced with today.

At The Publishing Sphere scholars, writers, artists, and representatives of initiatives will investigate the different locations of contemporary literatures between an abstract sphere and a material space. They explore what constitutes a literary work beyond the materiality of the book, expose other forms of publishing besides texts, and survey the agents and players who inhabit the field. Alternating between round table discussions, performative miniature elements, workshop reach-outs, and literary readings they will scrutinize their pre-reflections, research notes, image materials, literary references, to create a publishing sphere of their own.

The Publishing Sphere is convened by Lionel Ruffel (Université Paris 8) with Annette Gilbert (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen) in cooperation with Franziska Morlok (Fachhochschule Potsdam). With Hannes Bajohr, François Bon, Vincent Broqua, Manuel Bürger, Thomas Boehm, continent – Publishing Collective, David Desrimais, Hanna Engelmeier, Christiane Frohmann, Mathias Gatza, Mara Genschel, Margaret Hillenbrand, Ho Tzu Nyen, Hanna Kuusela, Geert Lovink, Olivier Marboeuf, Ingo Niermann, Jakob Nolte, Miriam Rasch, Gerald Raunig, Felwine Sarr, Danny Snelson, Camille de Toledo, Marcello Vitali-Rosati, Elena Vogman, Binyavanga Wainaina, Gregor Weichbrodt

Please register for the conference at registration@hkw.de.. The conference language is English.

The Publishing Sphere is affiliated to the 9th Internationaler Literaturpreis awarded at the Haus der Kulturen der Welt on July 6, 2017.

The Publishing Sphere is supported by Haus der Kulturen der Welt, Université Paris Lumières, the Institut Universitaire de France and the Alexander von Humboldt Foundation via the professorship of Irene Albers at Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft of the Freie Universität Berlin.

Version 1 der ORBANISM-PUBLISHING-E-Book-Anthologie Gastfreundschaft

Die erste Version der Gastfreundschaft-E-Book-Anthologie ist als ePub und mobi erschienen. Wer sie kostenlos bekommen möchte, bitte Mail an Christiane Frohmann, cf AT orbanism.com schicken.

Mit Texten von Jacqueline Asadolahzadeh, Hannes Bajohr, Simone Bauer, Zoë Beck, Klaus Daniel, Birte Förster, Tania Folaji, Christiane Frohmann, Maria Jürgensen, Ekkehard Knörer, Wibke Ladwig, Anne Matuschek, Stefan Mesch, Michaela Maria Mueller, Hendrik Neubauer, Steffi Rossdeutscher, Jasmin Schreiber und Cosima Stawenow

Mit #orbanismgastfreundschaft, einem Blog- und Gratis-E-Book-Projekt wollen wir vorsätzlich positive Bilder, Gedanken und Vorstellungen in die Welt und zum Zirkulieren bringen. Wir hoffen, es so wieder plausibler zu machen, dass es zum Menschsein gehört, anderen Freundlichkeit entgegen zu bringen und ihnen in Notsituationen auch Schutz zu gewähren.

Der Text von Giulia Becker konnte aus rechtlichen Gründen nicht ins E-Book aufgenommen werden, ist aber nach wie vor im Blog lesbar.

HospitalityClub.org – ein Text zur Gastfreundschaft von Hannes Bajohr

 

Gastfreundschaft: direkt, unmittelbar, persönlich, warm, also gerade nicht das, was man mit der angeblichen Distanz des Digitalen in Verbindung bringt. Aber durch das Digitale kann Gastfreundschaft sich noch erweitern, geradezu auf Turbo schalten, ohne dadurch weniger direkt, unmittelbar, etc. zu sein. Die Momente der Gastfreundschaft, an die ich mich am liebsten erinnere, stammen aus der Prä-Airbnb-Ära, als ein Club von Enthusiasten im Internet noch das große Verbindungs- und noch nicht das große Vermarktungsmedium sah und eine Seite aufmachte, die Gastfreundschaft im Titel trug. Hospitalityclub.org war eine Plattform, auf der Fremde einander Türen öffneten und Bettsofas ausklappten, kostenlos und aus der reinen Freude am Kennenlernen neuer Leute heraus, oder einer Ethik der Gegenseitigkeit folgend, in der Hoffnung, selbst auch einmal aufgenommen zu werden, wenn es drauf ankäme.

Als ich 2006 mit einem Freund durch Russland und Asien reiste, griffen wir öfter auf die Seite zurück, um Logis und Kontakt zu Einheimischen zu finden. In Wladiwostok aus der Transsib ausgestiegen, gegen zwei Uhr nachts, gingen wir stracks ins Internetcafé (denn webfähige Smartphones waren damals noch reine Futuristik), um ohne allzu große Hoffnung nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, die sich aber prompt auftat: Ohne zu zögern, wurde uns eine Adresse mitgeteilt, die sich als Plattenbau herausstellte, baugleich mit jenem, in dem wir bereits in Riga zu Beginn unserer Reise genächtigt hatten. Wort- und anstandslos breitete man uns Sofakissen auf dem Boden der Dreizimmerwohnung aus, stumm, um die Eltern und den Bruder nicht zu wecken. Morgens bekamen wir ein Frühstück und beste Wünsche für die Weiterreise.

Manchmal hatten wir auch die Chance, unseren Aufenthalt zu vergelten, wie eine Woche zuvor, in Irkutsk, wo wir bei Vera blieben, die eine Hütte am Hang des Flusses Angara bewohnte. Als wir eintrafen, drückte sie uns Schrubber und Wassereimer in die Hand, zum Verandaputzen, während sie, ganz Selbstversorgerin, aus dem Gartengemüse Borscht bereitete. Von Vera erfuhren wir viel über die Stadt und die steigenden Grundstückspreise, die Immobiliengauner dazu veranlasste, die denkmalgeschützten traditionellen Holzhäuser anzuzünden. Sie empfahl uns auch den Wanderweg am Baikal entlang und lieh uns ein Zelt dazu. An Vera und ihre Hütte am Fluss denke ich immer noch. Später habe ich sie in einer Erzählung verarbeitet, Vera als Hauptfigur, auch wenn mich dabei das Gefühl überbeanspruchter Vertraulichkeit beschlich. Aber Vera, hoffe ich, hätte auch dies noch unter der Gastfreundschaft verbucht, die sie so selbstverständlich verkörperte. Sie arbeite, nebenbei gesagt, als Programmiererin.

 

Foto: (c) Hannes Bajohr

 

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Hannes Bajohr schreibt Theorie und, zusammen mit Gregor Weichbrodt, digitale Literatur im Textkollektiv 0x0a (0x0a.li). | hannesbajohr.de

 

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Mit #orbanismgastfreundschaft, einem Blog- und Gratis-E-Book-Projekt wollen wir vorsätzlich positive Bilder, Gedanken und Vorstellungen in die Welt und zum Zirkulieren bringen. Wir hoffen, es so wieder plausibler zu machen, dass es zum Menschsein gehört, anderen Freundlichkeit entgegen zu bringen und ihnen in Notsituationen auch Schutz zu gewähren.

Wir laden euch herzlich ein, uns weitere Texte zum Thema selbst erlebte Gastfreundschaft (Umfang bis 3.000 Zeichen, kann aber auch ganz kurz sein) zu schicken, die wir bloggen und in einer versionierten E-Book-Anthologie bei Orbanism Publishing veröffentlichen dürfen. Wenn Letzteres, etwa aufgrund von Buchverträgen, nicht möglich ist, können wir Texte gern auch nur bloggen. Bitte Text mit Ein-Satz-Bio in der 3. Person, dazu optional ein Link zu eigenem Herzensprojekt, gern auch ein thematisch passendes Foto sowie ein Bild, das euch selbst zeigt (bitte nur Bilder, bei denen ihr die Rechte besitzt) , per Mail an Christiane Frohmann, cf AT orbanism DOT com, senden. – Wir möchten die Rechte an den Texten und ggf. Bildern nicht exklusiv, bitte achtet aber darauf, dass ihr spätere Nutzer auf unser Nutzungsrecht hinweist. Bitte bei diesem Projekt, weil es um persönliche Haltung geht, keine Texte unter Pseudonym einreichen.

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