Event-Anekdoten: Publishingberatung im Taxi

Nach der Veranstaltung, kurz vor Mitternacht, im Taxi von Mitte nach Pankow. Ich bin müde und freue mich darauf, beim Fahren einfach nur stumm dazusitzen und aus dem Fenster auf die Stadt zu sehen.

Wo ich war, fragt der Taxifahrer, und, was ich so mache, Verlegerin, ah, schöner Beruf, zufällig schreibe er auch gerade an einem Buch. Jackpot, denke ich, innerlich seufzend, denn „zufällig“ ist er nicht der erste Taxifahrer, der ein Buch schreibt und mir davon erzählt. Verlegerinnen, scheinen viele Menschen zu denken, interessieren sich 24/7 für Buchprojekte, brennend, ganz egal, worum es geht; sie ticken da ganz ähnlich wie Ärzte, die selbst auf Partys liebend gern spontane Gratisdiagnosen stellen.

Mich in mein Schicksal fügend, erkläre ich dem Taxifahrer das Konzept Selfpublishing, also, wie er sich als Autor kostengünstig selbst verlegen kann. Ich sehe ihm dabei an der Nasenspitze an, jedes einzelne Mal, wenn er sich alle paar Sekunden beim Fahren zu mir umdreht, dass er weiterhin hofft, ich möge leicht verspätet sagen: „Hey, das ist ja ein Zufall! Veröffentlichen Sie Ihr Buch doch bei mir.“ Ich aber bin Taxipublishingberatungs-Survivalexpertin und tue den Teufel, stelle auch die Gralsfrage aka Büchse der Pandora  „Worum geht es in Ihrem Buch?“ nicht.

Als ich aussteige, habe ich gut 20 Euro bezahlt und Consultingleistungen im Wert von locker 500 Euro erbracht. „Vielleicht können Sie ja einfach mal Ihre Karte dalassen“, höre ich es hinter mir rufen. Ich lächle. „Oh, so etwas habe ich als Digitalverlegerin leider gar nicht.“ Es ist zum Glück die Wahrheit.

 

Christiane Frohmann

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.